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Faschtewaije / Fastenwähe

Bild: Isabelle Rieder • © VISIT BASEL AG
Fastenwähe
 

Von der «Faschtewaije»

►Artikel von Christian Rieder

 

Das typische regionale Hefeteiggebäck lieben die Baslerinnen und Basler innig – gefüllt und ungefüllt. Was die Fastenwähe aber eigentlich ist, wissen weder Geschichtsforscher noch Bäcker. Was aber die Baslerinnen und Basler wissen: Zwischen Mitte Januar und bis vor Ostern ist Saison – und nur dann, ja nur dann werden Faschtewaije verkauft.

 

Kaum ein anderes typisch Baslerisches Gebäck verkörpert Basels Dekadenz besser als die mit Kümmel berieselte, brezelähnliche «Faschtewaije». Wobei man der Fastenwähe Unrecht tut! Des puritanischen Baslers Dekadenz liegt nämlich nicht im Verzehr der Fastenwähe als solcher, sondern in dem vor dem Verzehr gang und gebe verbreiteten Füllen derselben: «Faschtewaije-Sandwich». Man darf sich also getrost fragen, wie man irgendwann auf die Idee kam, eine typische Fastenspeise ausgerechnet mit fleischlichen Genüssen wie wertvollem Schinken zu füllen – zum Beispiel.

 

Nun, wir wissen, dass die uns frühste bekannte Bezeichnung «Fastenweyen» in Basel erstmals in Akten des Kleinbasler Klosters St. Clara in der Mitte des 17. Jahrhunderts auftauchte, also in einer Zeit, als Basel längst reformiert war. Die Bauten des Klosters (der Kreuzgang lag mitten auf dem heutigen Claraplatz) mitsamt den Gütern im Elsass waren in staatliche Verwaltung übergegangen. Bereits 1525 bekam das Kloster vom Rat von Basel zwei Pfleger vorgesetzt. Und die Herren Pfleger waren es auch, die sich nach getanen Amtshandlungen gerne zu Speis und Trank niederliessen. Im Klosterarchiv findet sich eine Rechnung mit dem Wortlaut: «Den 7 Mertz Anno 1649 als H. Commissar Eckh die Trotten hat besichtigt, haben meine Gn. Herren Plägern einen Trunckh gethan darzu geben ein Sallat, ein geräuchte Zung, ein Hahnen, ein Kalbsvoressen, zwei par Duben, Fastenweÿen, und weiss brodt, Wein 10 Mass.» So richtig klingt das nicht nach Fasten …! Die bislang älteste Erwähnung dieses ominösen Gebäcks in unserer Region findet sich übrigens im Staatsarchiv von Rheinfelden, in einem Dokument von 1554. 

 

Zusammengefasst und wie schon vorweggenommen taucht also der Begriff «Fastenwähe» erst nach der Reformation auf. Es muss also vermutet werden, dass es sich dabei gar nicht um ein eigentliches Fastengebäck handelt, sondern um eine gut geschützte Erfindung der hiesigen Bäcker – und wenn überhaupt als willkommene Abwechslung in der entbehrungsreichen Vorosterzeit. Nicht mal die Tatsache, dass Fastenwähen ausschliesslich während der Fastenzeit hergestellt werden durften, lag an kirchlichen Speisvorschriften, sondern an gewerbepolitischen und zunftinternen Regulativen. Herstellung und Vertrieb der Fastenwähen wurden auf die Zeit von Montag nach der Herrenfasnacht bis und mit Ostersonntag beschränkt. Das Herumtragen und ausrufen war untersagt. Den Zeug- und Ankenweckenbäckern war es bei Strafe verboten, während der Fastenwähenzeit «Milch- und Ankenzeug» zu backen, lehrt uns die Ordnung im Zunftarchiv der Brotbecken. 

 

Es liegt also nahe, dass die relativ spät entstandene Fastenwähe in der Idee auf die Bretzel zurückgeht, für was auch das eigentümliche Aussehen des Gebäcks spricht. Aber eben wohl nur in der Idee, denn die Bretzel gilt im süddeutschen Raum – und wahrscheinlich auch bei uns – schon bald ewig als eines der zentralen Fastengebäcke. Der Gelehrte Johann Jakob Spreng notierte um das Jahr 1760 zur Erklärung des Baslerischen Gebäcks: «Fastenwähe, ablängliche Fastenbrezel mit einem Kreuz in der Mitte».

 

Irgendwie hat das Ganze etwas Gutes, auch wenn wir die Fastenwähe etwas entzaubern. Denn, wenn es sich bei diesem typisch Baslerischen Gebäck nicht um eine Fastenspeise handelt, kann sie getrost und zur Beförderung der somit gar nicht so schlimmen puritanischen Basler Dekadenz weiter mit Schinken und anderen Leckerein gefüllt werden. Und eines sei an dieser Stelle erwähnt: Gefüllte Fastenwähen schmecken ganz einfach vorzüglich, zuweilen aber auch die «blutten», also ungefüllt, gerade so wie sie aus dem Ofen kommen – selbstverständlich gekümmelt und ganz frisch! Wobei anzumerken ist, dass die ► Bäckerei Sutter nun schon länger eine Lösung für Kümmelhasser bereithält: Die kümmellose Fastenwähe!

 

Und wenn Sie sich jetzt fragen, was die Fastenwähe, wenn sie schon nichts mit Fasten zu tun hat, dann wenigstens mit einer «Wähe» zu tun haben soll, dann kommt jetzt die nächste Enttäuschung gleich nachgeliefert: Nichts.

 

Mindestens nichts zu tun haben die Fastenwähen mit den flachen Blechkuchen, die sich in der Schweizer und der Alemannischen Küche grösster Beliebtheit erfreuen und in der Regel mit Früchten, Gemüse oder beispielsweise mit Käse belegt werden (z.B. anlässlich der Basler Fasnacht kredenzte Käse- oder Zwiebelwähen; siehe dazu meinen zum Thema erschienen ► Artikel). Es ist möglich, dass der Begriff auf «Wecken» zurückgeht, «Wecken» als Synonym für Brötchen. Genau weiss man es bis heute nicht, genauso wenig wie man Kenntnis über die ursprünglichen Zutaten hat.

 

Nichts desto trotz: Kosten Sie die herrlichen Fastenwähen, die es jeweils ab der zweiten Woche Januar bis kurz vor Ostern zu kaufen gibt und von der die Basler Bäcker in doch ziemlich eindrücklicher Zahl hergestellt wird: Täglich verlassen 50’000 bis 60’000 Fastenwähen die Basler Backstuben, wobei die Besten, so munkelt man, von der ► Bäckerei Jetzer stammen, welche sich auf das Backen von Fastenwähen schon seit Jahren spezialisiert hat.

 

Rezept «Faschtewaije» / Fastenwähe

Versuchen Sie es doch mal selbst mit dem Backen von Fastenwähen! Hier finden Sie das Basel Insider Rezept:

 

Rezept Faschtewaije / Fastenwähe

 

Weitere Informationen

Literaturhinweise

 

Spycher, Albert: Back es im Öfelin oder in der Tortenpfann
Fladen, Kuchen, Fastenwähen und anderes Gebäck
Schwabe & Co. AG, Basel; 2007; Kartoniert, Paperback; 160 S.

 

«Back es im Öfelin oder in der Tortenpfann» ist erhältlich bei

 

► Buchhandlung Bider & Tanner
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