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Dr Wild Maa

Bild: Christian Rieder • © VISIT BASEL AG
Dr Wild Maa am Schlüsselberg im Grossbasel
 

Dr Wild Maa

►Artikel von Mike Stoll

 

Dass der Wilde Mann während der Flossfahrt und seinem Tanz auf der Mittleren Brücke zum Vogel Gryff den Grossbaslern stets den Rücken zukehrt, weiss in Basel jedes Kind. Woher er aber kommt, und was seine ursprüngliche Bedeutung war, wissen meist nicht mal die Erwachsenen  –  obwohl dies im Zeitalter moderner Familienplanung sicher angebracht wäre …!

 

An jedem Vogel Gryff, dem Kleinbasler Ehrentag, ist der Wilde Mann das erste  Ehrenzeichen (neben Leu und Vogel Gryff), welches für das wartende Publikum sichtbar wird. Auf seinem Floss kommt resp. fährt er unter donnernden Böllerschüssen von ausserhalb in die Stadt ein. Während seiner Talfahrt auf Vater Rhein ist er stets bedacht, sich nur gegen Kleinbasel zu verneigen und Grossbasel verächtlich den Rücken zuzuwenden. Gegen 11 Uhr landet sein Floss unterhalb der Mittleren Brücke – selbstverständlich auf Kleinbasler Seite – beim ehemaligen Kloster Klingental. Hier taucht er als erstes sein Tännchen, welches er auf seinen Schultern mitführt, ins kalte Wasser des Flusses und benetzt damit die zahlreichen Zuschauer, bevor er dann mit seinem ausdruckstarken Tanz beginnt. Diese segensgleiche Prozedur wiederholt er zur grossen Belustigung der Kinder an den zahlreichen Brunnen im Kleinbasel. Der Tanz verbindet ihn dann im Übrigen mit den anderen beiden Ehrenzeichen, die ihn hier nach seiner Landung grüssend erwarten.

 

Die drei Ehrenzeichen – der Löwe, der Wilde Mann und der Vogel Gryff – ehren mit ihren spezifischen Tänzen die jeweilige Gesellschaft deren Symbol- oder Wappenträger sie eben sind. So erweist der Löwe der E. Gesellschaft zum Rebhaus (ab 1304) seine Referenz, der Wilde Mann der E. Gesellschaft zur Hären (ab 1384) und der Vogel Gryff der E. Gesellschaft zum Greifen (ab 1409). Dass sie während des Tanzes den Grossbaslern hierbei stets den Rücken zuwenden, hat im Ursprung nichts mit Spott gegen die linksrheinische Seite zu tun und ist auch nicht rächende Reaktion auf den unziemlich die Zunge wider das Mindere Basel bleckenden Lällekönig, sondern ist allein dem mittelalterlichen Referenzgebot geschuldet. Sprich: Was man ehren will, soll anstandshalber nicht aus den Augen gelassen werden. Da sich nun aber die Vorgesetzten der jeweiligen Ehrengesellschaften natürlich stets auf Kleinbasler Boden aufhalten, sind die Ehrenzeichen somit angehalten, sich auch dorthin zu verneigen. Dies aber nur nebenbei!

 

Wie oben bereits gesagt ist der Wilde Mann das einzige Ehrenzeichen, welches von ausserhalb kommt; der Löwe und der Vogel Gryff warten darum ja gemeinsam bei der Mittleren Brücke, bis dass er sich mit einem kräftigen Sprung vom Floss zu ihnen gesellt. Hier zu erklären, dass der Wilde Mann von ausserhalb, dem sogenannten «Wild Maa-Horst» (es handelt sich bei diesem Horst um einen Fischergalgen nahe der Schwarzwaldbrücke gegenüber der Birsmündung) kommt, weil er eben der Schildhalter der Gesellschaft zur Hären sei, greift zu kurz. Mit Häre (wohl von lateinsch haerere = hängen bleiben) bezeichnet man ein altes Vogelfangnetz, welches sich noch heute auf rotem Grund im Wappen der Gesellschaft findet. Aus Weidenruten geflochten und mit Rosshaarschlingen versehen hängte man diese Vogelfalle in die Büsche und Bäume und hoffte dann auf Beute. Es erstaunt somit nicht, dass sich in dieser Ehrengesellschaft vor allem Jäger, Fischer sowie der niedere Adel aus Kleinbasel organisierten. Da nun die Jäger und eigentlich auch die meisten Fischer ihren Lebensunterhalt ja primär ausserhalb der Stadt erlegen mussten, ist es für die meisten Baslerinnen und Basler einleuchtend, dass auch der Wilde Mann von dort kommt. Wenn dem aber wirklich so wäre, dann wäre es genauso legitim zu erwarten, dass auch der Löwe der Gesellschaft zum Rebhaus von jenseits der Stadtmauer kommt, da die meisten Rebberge wie Gärten und Felder ebenso vor der Stadt lagen. Lediglich der Greif hätte das Recht in der Stadt zu warten, da in der Gesellschaft zum Greifen ursprünglich städtische Handwerker wie Müller, Weber, Säger, Gerber zusammenkamen, welche in einem Lehensverhältnis zu den ehemaligen Klöstern (vor allem Klingental und Clara) im Kleinbasel standen; in Erinnerung an diese Verbundenheit findet sich deshalb auf ihrem Wappen auf blauem Grund ein weisses Kreuz.

 

Ähnlich den meisten Zunftwappen im Grossbasel zeigen auch die Wappen der Kleinbasler Ehrengesellschaften ihr Handwerkzeug oder ein spezielles Arbeitsverhältnis. Währendem die Schildhalter ganz allgemeinen der Heraldik (= Wappenwesen) entlehnt scheinen. So finden sich Greife und Löwen zuhauf auch als Wappenhalter beim europäischen Adel oder in den Städten wieder. Auch der Wilde Mann ist hierbei äusserst beliebt. Allerdings findet er sich nicht nur hier, wie Frau Katja Zimmer in ihrem Buch «in Bökenwise und in tüfels hüten» zu berichten weiss:

 

«Der Wilde Mann bzw. die Wildleute gehören im Mittelalter zu den am weitesten verbreiteten Maskengestalten. Dies verwundert weiter nicht, wenn man bedenkt, dass diese sagenhaften Wald- und Bergbewohner im damaligen Leben überall präsent waren. Man findet ihr Bildnis seit dem 13. Jahrhundert an Fassaden, in Buchillustrationen, auf Wandteppichen und auf Wirtshausschildern. Der Auftritt des Wilden Mannes war weder in Basel noch an anderen Orten an die Fasnacht gebunden.»

 

An die Fasnacht gebunden? Es scheint fast, dass sich Frau Zimmer hier vertan hat. Dies ist aber mitnichten so, sie hat völlig recht! Ein paar Zeilen weiter vorne in ihrer Arbeit geht sie darauf ein, dass sich die «Maskengestalt» des Wilden Mannes neben der beliebten Teufels Figur zum ursprünglichen Fundus von zeitgemässen Verkleidungen gehört. Vermummte traf man damals nicht nur zur eigentlichen Fasnachtszeit (vgl. hierzu meinen Beitrag zur ► Alten Fasnacht), sondern bereits auch vorher an. D.h. im alten Basel hatte man wohl schon ab dem 21. Dezember, dem kürzesten Tag im Jahr, mit dem Auftreten und Umgehen von verkleideten Scharen zu rechnen. Diese Gestalten sind heute wohl mit der heidnischen Vorstellung der Wilden Jagd zu verbinden und verkörpern nichts anderes als die Seelen Verstorbener, die zum Winterbeginn ausschwärmen, um die Hinterbliebenen zu ermahnen und auf die Vergänglichkeit allen Lebens hinzuweisen.

 

Diesem bunten Reigen von Totengeistern und Dämonen muss man nun auch die Figur des Wilden Mannes zuordnen. Verkörpert er doch seinem Wesen nach die unbändige Kraft der Natur, die kurz nach der längsten Nacht langsam, aber sicher mitten in Dunkelheit und Kälte zu neuem Leben erwacht und alljährlich die Hoffnung verbreitet, dass jeder noch so harte Winter irgendwann enden muss. So ist es eigentlich nur verständlich, wenn der Wilde Mann von ausserhalb aus dem Walde kommt, wo die Kräfte der Natur noch im Verborgenen schlummern. Auf dem Floss reitend gilt er zudem als Bezwinger des unbändigen Rheins, der mit der ersten Schneeschmelze anschwillt und so ebenfalls vom nahenden Frühling kündet. Dass mit der Ankunft des Wilden Mannes die Lebensgeister tatsächlich auch im kultivierten Basel wieder erweckt werden, hat sich auf wunderbare Weise im Brauch gehalten, ihm die roten Äpfel von Haupt und Hüfte zu stibitzen. Erheischt nun ein junger Bursche solch einen Apfel aus dem Efeukranz des Wilden Mannes und schenkt ihn seinem Schatz, so würde das erwählte Mädel im nächsten Jahr mit einem Kind im Arm dem Vogel Gryff beiwohnen. Damit aber die städtische Bevölkerung überhaupt erst aus dem hormonellen Winterschlaf schreckt, «segnet» er sie vorab mit dem kalten Wasser des Rheins und überträgt so seine Lebenskraft auf die zivilisierten Menschen.

 

Sollten also die Damen unter der Leserschaft am nächsten Vogel Gryff zuerst nass werden und danach einen Apfel geschenkt bekommen – nehmen Sie sich in acht!

 
Bild: Christian Rieder • © VISIT BASEL AG
Wild Maa von Rebhaus-Gesellschaftsbruder Freddy Oettli
 

Weitere Informationen

Literaturhinweise

 

Zimmer, Katja: in Bökenwise und in tüfels hüten
Fasnacht im mittelalterlichen Basel

Schwabe; 2004; Kartoniert, Paperback; 105 S. 

  

«in Bökenwise und in tüfels hüten» ist erhältlich bei

 

► Buchhandlung Bider & Tanner
► Online bestellen

 

Löw, Daniel: Vogel Gryff – E jeedes Joor im Jänner
Christoph Merian Verlag, Basel; Gebunden; 2004
  
«Vogel Gryff – E jeedes Joor im Jänner» ist erhältlich bei 
  

► Buchhandlung Bider & Tanner
► Online bestellen

 

Der Vogel Gryff

 

Weitere Informationen rund um das Kleinbasler Brauchtum des «Vogel Gryff» finden Sie an dieser Stelle:

 

► Vogel Gryff

  

Stadtführungen zum Thema Vogel Gryff

 

Wie jedes Jahr bietet VISIT BASEL am Morgen des Vogel Gryff Stadtrundgänge zur Einführung in den höchsten Feiertag des Kleinbasels an. 
 
► Stadtführungen von VISIT BASEL zum Vogel Gryff 

 

Den Wild Maa besuchen
 
Selbstverständlich kann der Wild Maa jeweils am Vogel Gryff «live» gesehen werden, je nach Jahr am 13., 20. oder am 27. Januar. Das ganze Jahr über kann man den Wild Maa am Schlüsselberg im Grossbasel bewundern. Es handelt sich um eine Kopie der Holzplastik aus dem 17. Jahrhundert, die einst die Fassade des Gasthofs zum Wilden Mann in der Freie Strasse zierte. Im Kleinbasel findet man seit 2001 ein wunderschönes Wandbild, das vom Rebhaus-Gesellschaftsbruder Freddy Oettli geschaffen wurde. Neben dem Wild Maa sind hier auch der Löwe und der Vogel Gryff zu sehen.

  

Lageplan Statue Wild Maa im Grossbasel (Google)

 
 

Lageplan Wandbild Wild Maa von Freddy Oettli im Kleinbasel (Google)

 
 
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