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slowUp Basel-Dreiland

Bild zVg. © Verein slowUp Basel-Dreiland
Der slowUp in Basel
 

slowUp – wenn Basel zum autofreien Erlebnis wird

►Artikel von Christian Rieder

 

Manch einer schäumt vor Wut. Der Picknick-Korb für die sonntägliche Ausfahrt aufs Land ist feinsäuberlich im Kofferraum verstaut. Mit der Fahrt aus der Einstellhalle findet der Ausflug aber bereits wieder ein abruptes Ende. Strasse gesperrt. Diese wird von Fussgängern bevölkert, da rollen die Fahrräder, Menschen auf Inlineskates huschen fast geräuschlos vorbei. Es ist ein untrügliches Zeichen: In Basel ist slowUp. Das Auto bleibt zu Hause. Die Strasse gehört dem nichtmotorisierten Individualverkehr. Und nichtmotorisierte Individualverkehrer gibt es, mindestens am slowUp-Sonntag, viele, Tausende, Zehntausende. 

 
 

Der 11. slowUp Basel-Dreiland findet am Sonntag, 17. September 2017 statt!

Detailinformationen zur Ausgabe 2017 finden Sie weiter unten.

 
 

Man darf das Kind schon beim Namen nennen: Der slowUp greift die Idee der so genannten «Autofreien Sonntage» wieder auf, resp. dieser motorisch verkehrslose Breitensport-Anlass, der mehrmals im Jahr in verschiedenen Regionen der Schweiz stattfindet, ist im Grunde genommen nichts anderes als ein autofreier Sonntag. Schon klar, für den Motorfahrzeugverkehr wird nur ein Rundkurs, eine bestimmte Strecke, gesperrt. Der Rest des motorisierten Verkehrs rollt «normal» weiter. Die Idee, die Strassen an gewissen Tagen dem nichtmotorisierten Individualverkehr (vorwiegend Fussgängern, Velofahrern und Inlineskatern) vorzubehalten, ist aber klar erkennbar; eben, ein autofreier Sonntag.

 

Das Ganze ist nicht neu. Wer erinnert sich nicht an den 25. November 1973, an diesen ersten Sonntag, als in der Schweiz keine Autos mehr fahren durften? Der motorisierte Individualverkehr wurde an diesem Sonntag unterbunden, als Massnahme zum Erdöl sparen. Der Grund fand sich in der Ölkrise im Herbst 1973, ausgelöst durch den Jom-Kippur-Krieg (6. bis 26. Oktober 1973). Die Organisation der Erdöl exportierenden Länder (OPEC) drosselte damals bewusst die Ölfördermengen um etwa fünf Prozent, um die westlichen Länder bezüglich ihrer Unterstützung Israels unter Druck zu setzen. Am 17. Oktober 1973 stieg der Ölpreis von rund drei US-Dollar pro Barrel (159 Liter) auf über fünf Dollar. Dies entspricht einem Anstieg um etwa 70 Prozent. Im Verlauf des nächsten Jahres stieg der Ölpreis weltweit gar auf 11.16 US-Dollar (inflationsbereinigt über 53 US-Dollar). Irgendwie genoss man die Autofreien Sonntage. Ruhe kehrte ein. An den verrücktesten Orten spazierten plötzlich die Menschen auf Schusters Rappen. Oder erinnern wir uns an die besondere Stimmung und an die leeren Autobahnen im Spätjahr 1973 heute mit etwas verklärtem Blick? Die NZZ schrieb am 26. November 1973 unter dem Titel «Der erste autofreie Sonntag» von einem problemlosen Verlauf in der Grenzregion Basel und berichtet nicht gerade von Spektakulärem. Im Wortlaut:  

 

«Die Grenzregion Basel hat sich am Tage der ersten Anwendung des Sonntagsfahrverbotes kaum anders präsentiert als die übrigen Gebiete der Schweiz: praktisch leere Fahrbahnen, stark frequentierte öffentliche Verkehrsmittel und Spaziergänger oder Wanderer in wesentlich grösserer Zahl als sonst. Für diese Ausflügler haben nicht nur die Schweizerischen Bundesbahnen, die Basler Verkehrsbetriebe und die übrigen Verkehrsunternehmen auf der schweizerischen Seite ihre Kurse, manchmal durch Entlastungsfahrten, verstärkt, sondern auch die Deutsche Bundesbahn, die zu den Ausflugszielen im Schwarzwald wesentlich höhere Frequenzen ab Basel und von den Stationen der ebenfalls mit einem Fahrverbot belegten deutschen Nachbarschaft zu verzeichnen hatte. Die Betriebsleitung der Französischen Staatsbahnen schätzte die Zunahme der Passagiere hingegen nur auf etwa 10 Prozent, was einerseits auf die grössere Distanz und die schlechteren Verbindungen zu den Ausflugszielen in den Vogesen, anderseits darauf zurückzuführen ist, dass jamais le dimanche für Frankreich nicht Gültigkeit hatte. Besonderheiten im Zusammenhang mit dem Sonntagsfahrverbot sind denn auch nur hinsichtlich des Verkehrs nach und von Frankreich zu melden, wenn von der polizeilichen Weisung, Fahrten deutscher Taxihalter auf schweizerischem Gebiet mit dem einzigen Zweck des Einkaufs von Benzin nicht zuzulassen, abgesehen wird. Nach einer Auskunft des Zollamtes Lysbüchel passierten in der Nacht von Samstag auf Sonntag allein zwischen 2 und 3 Uhr noch gegen 80 Basler Automobilisten, die ihren Wagen in St-Louis abstellten, die Grenze, um am Sonntag im Elsass per Auto ihren Ausflug unternehmen zu können. Sie werden am Montag nochmals über die Grenze pilgern müssen … Von dem für die Einreisen reservierten Zollamt Burgfelderstrasse war zu erfahren, dass bis am frühen Sonntagnachmittag etwa 50 französische Autofahrer zurückgewiesen werden mussten, was eine relativ kleine Zahl ist, wenn sie mit dem sonstigen starken Zustrom an Sonntagen verglichen wird. Dies ist darauf zurückzuführen, dass sich die hiesige Polizei mit einem Aufruf in den elsässischen Zeitungen an die Automobilisten der Nachbarschaft gewandt hatte. Diese Presseorgane – mit teilweise süffisantem Unterton – über das Sonntagsfahrverbot in der Schweiz orientiert hatten und die französischen Zollorgane die aus dem Inneren des Landes ankommenden Personen über die Unmöglichkeit der Weiterreise orientierten. Deshalb gelangten nur noch jene bis an die rotweissen Schlagbäume, die es besser zu wissen glaubten. Drei von ihnen, die an die Polizei gewiesen worden waren, erhielten aus dringenden Gründen eine Sonderbewilligung.»

 

Wie auch immer. Energiekrisen konnten uns zum «Autofreien Sonntag» bewegen. Das Ganze hatte (und hat) aber vielmehr eine politische Dimension – die Idee der autofreien Sonntage ist auf politischer Ebene schon lange ein Thema. Das Bundesamt für Raumentwicklung schrieb in einer Publikation von 2004 dazu:

 

«Die ersten Vorstösse erfolgten bereits in den dreissiger Jahren zur Zeit des ersten Bundesgesetzes über den Motorfahrzeug- und Fahrradverkehr. Sie hatten zum Ziel, den Motorfahrzeugverkehr an gewissen Sonntagen, insbesondere am eidgenössischen Bettag, zu verbieten. Sie blieben jedoch erfolglos.

 

Im Anschluss an die Erdölkrise von 1973 wurden zwei Volksinitiativen eingereicht: Eine Volksinitiative für zwölf motorfahrzeugfreie und motorflugzeugfreie Sonntage pro Jahr (Burgdorfer Initiative) sowie eine parlamentarische Initiative von Nationalrat Jaeger für ein allgemeines Sonntagsfahrverbot. Grundlage bildeten die Erfahrungen mit drei autofreien Sonntagen, die gestützt auf das Bundesgesetz von 1955 über die wirtschaftliche Kriegsvorsorge erlassen worden waren.

 

Die Burgdorfer Initiative wurde in der Abstimmung von 1978 von Volk und Ständen verworfen. Die Initiative Jaeger, die ein allgemeines Sonntagsfahrverbot für Motorfahrzeuge an mindestens acht Sonntagen im Jahr verlangte, wurde vom Nationalrat zugunsten eines Gegenvorschlags von Nationalrat Kaufmann verworfen; der Gegenvorschlag forderte eine Änderung von Art. 2 Abs. 2 SVG im Sinne eines Motorfahrzeugverbots mindestens für den eidgenössischen Bettag. Laut der Kommission hätte mit dieser Initiative ein wichtiges Ziel erreicht werden können: Der autofreie eidgenössische Bettag hätte mitgeholfen, die Einstellung und das Verhältnis der Menschen zur Technik zu verändern; zudem wäre dies ein Zeichen dafür gewesen, dass das Recht auf Erholung und Freizeit gesellschaftlich an Bedeutung gewinnen solle. Die Vernehmlassung in den Kantonen ergab jedoch eine klare Ablehnung: Nur sechs Kantone sprachen sich für einen autofreien eidgenössischen Bettag aus.

 

Nach 1988 wurden von den Kantonen Bern und Basel-Landschaft ähnliche Standesinitiativen sowie von Nationalrat Schmid und von der Jugendsession 1994 weitere Vorstösse zu diesem Thema eingereicht. Diese hatten die Einführung von einem oder mehreren autofreien Sonntag(en) zum Ziel. Sie sollten ein Umdenken in Richtung eines bewussten, umweltschonenden Verhaltens im Umgang mit dem motorisierten Verkehr bewirken, fanden jedoch ebenfalls keine Zustimmung.

 

1996 forderte Nationalrätin Teuscher die Einführung von zwei landesweiten, autofreien «Erlebnistagen» pro Jahr. Der Nationalrat beschloss jedoch in der Wintersession 1997, der Initiative keine Folge zu geben.

 

Die 1998 eingereichte Volksinitiative «für einen autofreien Sonntag pro Jahreszeit – ein Versuch für vier Jahre» verlangte, dass vier Mal pro Jahr alle öffentlichen Plätze und Strassen der Bevölkerung zum freien Gemeingebrauch ohne privaten Motorfahrzeugverkehr offen stehen sollen. Ausgenommen davon wäre der öffentliche Verkehr gewesen. Nach vier Jahren sollten Volk und Stände nochmals darüber abstimmen, ob diese Sonntage beibehalten werden sollten oder nicht. Nachdem das Parlament die Möglichkeit eines Gegenvorschlages geprüft hatte, empfahl es die Initiative ohne Gegenvorschlag zur Ablehnung. Der Nationalrat schlug vor, jeweils am eidgenössischen Bettag einen autofreien Sonntag pro Jahr einzuführen. In der Folge wurde die Initiative vom 18. Mai 2003 vom Volk mit 63% Neinstimmen abgelehnt.»

 

Tja, so geht das. Nun wäre man aber ein Narr, glaubte man, dass nichts passiert, nichts realisiert worden sei in den vergangenen Jahrzehnten. Als Reaktion auf die Zunahme des motorisierten Individualverkehrs sind nämlich durchaus verschiedene Möglichkeiten entstanden, autofreie Räume zu schaffen. Nur, wir nehmen diese vielleicht nicht mehr ganz so bewusst wahr, handelt es sich dabei nicht nur um autofreie Tage:

 

Immer mehr Städte, so auch Basel, haben ihre Zentren in Fussgängerzonen verwandelt. Gewisse Ortschaften sind für den motorisierten Individualverkehr das ganze Jahr über nicht zugänglich und manchmal werden Strassen aufgrund einer Veranstaltung für den Autoverkehr gesperrt, unabhängig davon, ob diese Veranstaltung nur einmal oder wiederholt durchgeführt wird. Ganz generell kann man zwischen zwei Arten der Beschränkung des Strassenverkehrs unterscheiden: Einer örtlichen und einer zeitlichen Beschränkung. Zur ersten Art gehören die Fussgängerzonen oder die Ortschaften, die für den motorisierten Verkehr gesperrt sind. Bei der zweiten Art handelt es sich um ein zeitlich begrenztes Verbot. Dies kann ein Tag, ein Wochenende oder auch nur ein paar Stunden sein. Letztere ist auch beim slowUp der Fall. 

 

Nun, auf die Idee, einen slowUp zu organisieren, also einen motorisch verkehrslosen Breitensport-Anlass, zu dessen Durchführung Strassenstrecken gesperrt werden, kam man im Vorfeld der der Expo.02. Im Jahr 2000 wurde dieser erste slowUp tatsächlich durchgeführt, auf der Strecke, die rund um den Murtensee führte. Seither gesellen sich je länger je mehr Regionen in der Schweiz dazu, jede hat ihren eigenen Durchführungssonntag. In der Regel werden rund 30 Kilometer Strasse gesperrt, entlang dieser für ein vielseitiges Rahmenprogramm gesorgt ist. «Daraus wird ein Fest, anders als alle anderen: Jung und Alt, Familien und Singles, Bewegungsmenschen und Genussmenschen geniessen die fröhliche Stimmung im autofreien Ambiente», folgt man der Formulierung der Veranstalter. Und diese legen Wert darauf, dass slowUp-Strecken möglichst flach sind, dass Tempo und Distanz individuell gewählt werden können. Alle sollen teilnehmen können. Für An- und Rückreise zum jeweiligen Austragungsort empfiehlt sich – eigentlich fast selbstverständlich – die eigene Muskelkraft oder der öffentliche Verkehr. Die Teilnahme ist gratis. Wen das Ganze interessiert? Viele! Zwischenzeitlich nehmen gegen eine halbe Million Menschen an den derzeit 19 Austragungsorten teil. Beim slowUp Basel-Dreiland tendiert die Zahl der Teilnehmenden zwischenzeitlich auf rund 65'000!

 

Der slowUp Basel-Dreiland, der immer am eidgenössischen Buss- und Bettag (am 3. Sonntag im September) stattfindet (!) hebt sich aber in zwei wesentlichen Punkten von den andern Austragungsstätten ab. Einerseits ist er mit seiner 60 Kilometer langen Strecke der mit Abstand längste slowUp überhaupt. Andererseits findet er nicht nur in der Schweiz statt, sondern bezieht auch Deutschland und Frankreich mit ein. Der 2007 zum ersten Mal durchgeführte slowUp Basel-Dreiland hat sich so zu einem riesigen, regionalen – will heissen, grenzübergreifenden – Event entwickelt. Und die Autofahrer? Ja, die müssen halt für einmal dort fahren, wo nicht slowUp ist. In Basel wird das aber, zugegeben, langsam etwas schwierig …! 

 
 
Bild zVg. © Verein slowUp Basel-Dreiland
Der SlowUp in Basel
 
 

Informationen slowUp Basel-Dreiland 2017

Mit bis zu 65’000 TeilnehmerInnen war der trinationale slowUp Basel-Dreiland in den vergangenen Jahren jeweils ein Riesenerfolg. Auch 2017 darf sich die Bevölkerung am 17. September zwischen 10:00 und 17:00 Uhr wieder auf gut 60 Kilometer autofreie Strecke freuen. Wie immer gibt es keinen Start- und keinen Endpunkt, alle Teilnehmenden können dort ein- und aussteigen, wo sie wollen. Der slowUp Basel-Dreiland ist für alle Teilnehmenden kostenlos. 

 

► Informationen zum slowUp Basel-Dreiland 2017 (direkter Link)

 
 
Bild zVg. © Wendel Hilti
Der slowUp Basel-Dreiland im Abschnitt Riehen
 
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