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Silvester in Basel

Feuerwerk
Bild © VISIT BASEL AG
 

Silvester in Basel

►Artikel von Christian Rieder

 

Wohl zu allen Zeiten wurde der Übergang ins neue Jahr gefeiert, selbstverständlich auch in Basel. Verändert hat sich am Brauchtum – an den Ritualen – über die Jahrhunderte nicht viel, dafür am Zeitpunkt des Jahreswechsels. Denn nicht immer lag das Jahresende auf dem 31. Dezember. Seit das aber so ist, heisst der letzte Tag im Jahr Silvester. Tauchen Sie mit uns ein in ein wenig «Silvester-Geschichte», als das Zeitenrad noch stillstand, oder in jene Zeit, als Basel vom Natal- auf den Circumcisionsstil umschwenkte. 

 

Silvester steht vor der Tür, selbstverständlich auch in Basel. Selbstverständlich? Na ja, so selbstverständlich ist das nicht, zumindest nicht, wenn wir damit den Abend vor dem Jahreswechsel bezeichnen wollen. Es würde etwas weit reichen, wenn wir an dieser Stelle umfänglich ausleuchten wollten, weshalb das neue Jahr mit dem 1. Januar beginnt und somit mit dem 31. Dezember endet. Sie dürfen uns glauben, das ist wirklich kompliziert. 

 

Vielleicht nur so viel: Das Jahr beginnt in Basel erst seit 1701 am 1. Januar, vorher begann es am 25. Dezember (mit Fachbegriff: Natalstil). Wenn Sie sich jetzt wundern, weshalb denn die Basel Insider schon über Zeiten weit vor 1701 und das damit zusammenhängende Neujahrbrauchtum am 1. Januar in Basel schreiben, dann tun Sie das nicht zu unrecht. Als Erklärung: Im bürgerlichen Leben wurde nie wirklich vom so genannten Circumcisionsstil abgerückt. Und dieser Stil definiert den Jahresanfang am 1. Januar. Der für uns selbstverständlich erscheinende Jahresbeginn mit dem 1. Januar wurde bereits vom Römischen Reich definiert (157 v. Chr.). Es war das Jahr, als die Römer nach ihrem Kalender den Jahresbeginn vom 1. März auf den 1. Januar verlegten, auf den Tag des Amtsantrittes ihrer Konsuln. Im Mittelalter kamen, besonders wegen der von der Kirche mehr als kritisch beäugten heidnischen Bräuche zur Feier des Jahreswechsels, verschiedene andere Stile auf, so eben zum Beispiel auch erwähnter Natalstil. Kurzum, da schwer gegen den Jahresanfang am 1. Januar anzukommen war, legte man bereits im 7. Jahrhundert das Fest der Beschneidung (circumcisio) Christi auf den 1. Januar. Ein typisches Beispiel für die Überlagerung heidnischen Brauchtums mit christlichen Feiertagen. Für das Basler Bürgertum war das praktisch, denn so konnte man am 1. Januar als Jahresbeginn festhalten – und zwar durchaus gut christlich – wenn auch man es in Kreisen der Kirche – circumcisio hin oder her – und auf den Amtsstuben vielleicht anders sah.
  
Also, 1701 führte man in Basel den Gregorianische Kalender vom 24. Februar 1582 ein. Parallel zur Kalenderreform (auch wenn dies nicht in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Termin des Jahreswechsels steht), wurde der Jahresbeginn nun offiziell und somit mit Gültigkeit für alle Baslerinnen und Basler auf den 1. Januar verschoben.
  
Damit wurde logischerweise aber auch das Jahresende verlegt, auf den 31. Dezember, den Todestag von Papst Silvester I. († 335), einem geborenen Römer. Silvester I. wurde wohl noch vor Beginn der Christenverfolgungen unter Kaiser Diokletian im Jahr 284 zum Priester geweiht; er trat sein Amt als römischer Bischof im Jahr 314 an, ein Jahr, nachdem die römischen Kaiser Konstantin der Grosse und Licinius 313 die christliche Kirche anerkannt und im Edikt von Mailand jedem Bürger des Reiches das Recht auf freie Religionsausübung gewährt hatten. Man erzählt sich, Silvester hätte den angeblich aussätzigen (an in der Regel tödlich verlaufenden Lepra erkrankten) Kaiser geheilt – und bekehrt; schlagen wir in der «Legenda aurea» nach, die eingehend über Silvester I. berichtet, so steht aber im Mittelpunkt die angebliche Taufe Konstantins (auf dem Totenbett) durch Silvester. Damit soll der Kaiser dem Bischof gleichzeitig Rom und Umgebung als Lehen übereignet haben. Man spricht in diesem Zusammenhang von der «Konstantinischen Schenkung». Historisch ist das alles hingegen nicht haltbar. Die Urkunde der «Konstantinischen Schenkung» wurde im 8. Jahrhundert, so hat man herausgefunden, gefälscht und tatsächlich wurde denn auch der Kirchenstaat erst im Jahr 755 durch den Frankenkönig Pipin übereignet. Die Päpste jedoch nutzten die Urkunde, um ihre Vormacht in der Christenheit und territoriale Ansprüche zu begründen. Als im 15. Jahrhundert die Fälschung nachgewiesen wurde, blieb dies bis zur Kritik der Reformation am Papsttum weitgehend unbekannt. Vom 17. bis ins 19. Jahrhundert behauptete die katholische Kirche, dass die Urkunde zwar gefälscht war, es die Schenkung aber dennoch gegeben habe. Wie dem auch sei, scheinbar hat Silvester Konstantin nicht mal getauft, er starb bereits zwei Jahre vor dem Kaiser. Getauft wurde Konstantin auf dem Totenbett von (so erzählt man sich) Bischof Eusebius. Sollte aber Silvester Konstantin den Grossen tatsächlich bekehrt haben, ja dann wäre er (im Grunde genommen) der Retter des Christentums. In jedem Fall war Konstantins Entscheidung, nicht mehr den Sonnengott Sol Invictus (Geburtstag am 25. Dezember!), sondern den christlichen Gott zu verehren, von grosser Tragweite (= «Konstantinische Wende»). Na ja, hinsichtlich Konstantins Hinwendung zum Christentum sprechen manche Forscher von einem machtpolitisch kalkulierten Akt oder schenken den christlich tradierten Berichten keinen bzw. wenig Glauben. Am einflussreichsten war diesbezüglich ein Mann namens Jacob Burckhardt, der weltberühmte Basler Kulturhistoriker, dessen 1853 erstmals erschienene Darstellung «Die Zeit Constantins des Grossen» bis heute viel von ihrem Wert behalten hat, wenngleich einige Aspekte überholt sind, beispielsweise seine scharfe Trennung von Politik und Religion in der Spätantike. Und wenn Sie in Kulturgeschichte nicht ganz sattelfest sind, Jacob Burckhardt ist der Mann auf der Schweizer 1000-Franken-Banknote. Aber egal, vielleicht denken Sie ja trotzdem an Silvester, wenn die grosse Papstglocke des Basler Münsters das Jahr ausläutet ...!
 
Die meisten werden aber wohl trotzdem am 31. Dezember vielmehr an das grosse Feuerwerk über dem Rhein denken als an einen Papst. Und das (das Feuerwerk …!) hat durchaus seine Berechtigung, in unseren Breitengraden. Aus volkskundlicher Forschung wissen wir von den «Zwölfnächten», jenen dunkeln Nächten, die zwischen dem 21. Dezember (Wintersonnwende) und Neujahr liegen, jenem Zeitraum, in dem nach alter Vorstellung einst das Zeitenrad still stand. Der Ursprung des zwölftägigen Zeitraums liegt im Unterschied zwischen der Jahreseinteilung nach Mond- und Sonnenkalender begründet. Zwischen beiden Zählweisen für ein Jahr liegt eine Differenz von zwölf Tagen (Epagomene), wobei nach der Zählweise des Mondkalenders zwölf Tage zum astronomisch korrekten Sonnenumlauf in 365 Tagen fehlen. Die «Zwölfnächte», zuweilen auch «Zwischen den Jahren» genannt, war die Zeit der variationsreichen Los- und Orakelbräuche. Bis heute erhalten hat sich zum Beispiel das Bleigiessen als populärste Orakelform. Fast verschwunden ist hingegen das «Schiffchenschwimmen», bei welchem in hohle Nussschalen Wachslichtlein gesetzt wurden. Jedes der in einer Schüssel schwimmenden Lichtlein wurde mit dem Namen einer bestimmten Person bezeichnet. Erlosch das Lichtlein vorzeitig, so bedeutete dies, dass die fragliche Person sterben würde. Verbanden sich die Nussschalen zweier lediger Personen, dann war Verlobung und Hochzeit in Sicht. Klingt eher heidnisch, nicht wahr? Und das ist es auch. Dies betrifft eben auch das Feuerwerk, das eine moderne Form des Lärmmachens zu Silvester (resp. in den «Zwölfnächten») ist. Ihren Ursprung hat dieses bei den Germanen, deren animistischer Glaube geradezu nach dem Vertreiben «böser Geister» verlangte, in den dunkeln Nächten nach der Wintersonnwende, als das Zeitenrad still stand ...  

 
 

Und übrigens …

Wir sind uns ziemlich sicher, dass auch Sie Ihren Liebsten einen «Guten Rutsch!», «Einen guten Rutsch ins neue Jahr» anwünschen. Wissen Sie aber auch, woher dieser Silverstergruss kommt? Sie werden staunen: Aus dem Rotwelschen; oder besser gesagt, ursprünglich aus dem Jiddischen.
 

Rotwelsch ist ein Sammelbegriff für sondersprachliche Soziolekte gesellschaftlicher Randgruppen auf der Basis des Deutschen, wie sie seit dem späten Mittelalter besonders bei Bettlern, fahrendem Volk (Vaganten), Vertretern so genannter unehrlicher Berufe und in kriminellen Subkulturen in Gebrauch kamen und seit dem 17. Jahrhundert mit der Ansiedlung von Gruppen Nichtsesshafter auch regionalsprachlichen Niederschlag fanden. Auch in Basel war es die Gaunersprache, durchaus auch mit der Idee, dass diese von ehrbaren Bürgern nicht verstanden werden konnte. Rotwelsch unterscheidet sich hauptsächlich lexikalisch von der deutschen Umgangssprache und ihren Dialektvarianten, es handelt sich insofern nicht um eine eigenständige Sprache, sondern um einen Sonderwortschatz (Jargon), der sich in sozial, regional und zeitlich verschiedenen Varianten ausgeprägt hat. Er beruht auf Entlehnungen, oft in Verbindung mit Umdeutungen, aus dem Westjiddischen in Form von Hebraismen in aschkenasischer Lautung, aus dem Romani vorwiegend der Sinti (Sintitikes) und aus Nachbarsprachen des Deutschen, insbesondere dem Niederländischen und Französischen, ferner auf Veränderung oder Umdeutung gemeinsprachlich bekannter deutscher Wörter durch Bedeutungsübertragung und Bedeutungsverschiebung, Bildung neuer Komposita, Affigierung und Permutation (u. a. Verlan, Kedelkloppersprook).

 

Nun, folgen wir der im «Buch Deutsche Gaunersprache» von Siegmund A. Wolf aufgestellten Theorie, so ist besagter Silvestergruss eine Ableitung aus dem hebräischen ראש השנה טוב – Rosch ha schana tov, wörtlich «einen guten Kopf (Anfang) des Jahres»; daraus sei «entstellt das sonst sinnlose ´guten Rutsch!´ frohes Neujahr» entstanden. Als Quelle dafür gibt Wolf «1956 berl. mdl.» an. Da seine Quelle für «Rosch ha schono – Neujahr» Adolf Friedrich Thieles Werk «Die jüdischen Gauner in Deutschland, ihre Taktik, ihre Eigenthümlichkeiten und ihre Sprache» (Berlin 1840) war, das – laut Wolf selbst – «von stärkster antisemitischer Tendenz» sei und vor allem rein jiddische Vokabeln enthielte, ist indes nicht ganz klar, welche Wörter Thiele dem genuin jiddischen und welche er dem rotwelschen Sprachgut entnommen hatte. Für Wolfs Herleitung spricht allerdings, dass schon um die Mitte des 18. Jahrhunderts das jiddische «rosch» als «Rosch» für «Kopf» und «Rusch» für «Commendant» im Rotwelschen verbreitet waren.

 

Mit Bestimmtheit sagen können wir, dass Rosch ha-Schana (auch Rosch ha-Schanah, in aschkenasischer Aussprache Rausch ha-Schono oder Roisch ha-Schono oder volkstümlich auf Jiddisch Roscheschone, Roscheschune genannt; Hebräisch ‏ ראש השנה Haupt des Jahres, Anfang des Jahres) der jüdische Neujahrstag ist. Die Mischna, die wichtigste Sammlung religiöser Überlieferungen des rabbinischen Judentums, legt dieses Fest als Jahresbeginn und für die Berechnung von Kalenderjahren fest. Dass also ein «Guter Rutsch!» wohl jiddischen Ursprungs ist und über die Vermittlung des Rotwelschen ins Deutsche gelangte, ist durchaus plausibel.

 

Die Idee, dass «Rutsch» in diesem Zusammenhang als Synonym für «Reise» steht, kommt weniger in Frage, auch wenn der Begriff «Rutsch» durchaus gebräuchlich war. Nur bezeichnete man damit einen kleinen Ausflug («übers Wochenende einen Rutsch ins Grüne machen»). Von einem Rutsch kehrt man also wieder zurück, aus dem neuen Jahr wohl eher nicht mehr; es sei denn, es drängt sich mal wieder eine Kalenderreform auf ...! Wenn schon hätte man das Wort «Reise» selbst verwendet. Dieses geht aufs Althochdeutsche «reisa» zurück: Aufbruch.

  
Wie dem auch sei, im neuen Jahr angekommen werden Sie wohl mit Ihren Liebsten anstossen. Prost! Prosit Neujahr! Aber wissen Sie auch bei diesem Ritual etwa gar nicht, was Sie da sagen? Wenn Sie’s tatsächlich nicht wissen, dann sei an dieser Stelle geholfen:

 

«Prosit» ist ein Ausdruck, der ursprünglich aus der Studentensprache (Burschensprache) stammt, zu den Trinkritualen der Verbindungsstudenten gehört und wohl Ende des 18. Jahrhunderts Eingang in die Allgemeinsprache gefunden hat. Nun muss man natürlich wissen, dass die Studentensprache eine von zahlreichen lateinischen, französischen und latinisierten Wörtern durchsetzte Standessprache ist. Beim «Prosit» finden wir, ganz typisch, das Lateinische wieder, denn dem Wort liegt das Verbum «prodesse» (= «nützen», «zuträglich sein») zugrunde. Dementsprechend stellt «prosit» die konjugierte Form (3. Person Singular Konjunktiv Präsens Aktiv) dar und ist somit eine Wunschformel: «Es möge nützen» bzw. «Es möge zuträglich sein».

 

In diesem Sinne: Prost! Das neue Jahr soll Ihnen wohl bekommen!

 
Champagner
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► Artikel zum Crémant d’Alsace: «Komm schnell, ich trinke Sterne!»

 
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