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Klosterbergfest

Bild © VISIT BASEL AG
Impression vom Klosterbergfest
 

Klosterbergfest: Basels Fest für Brasilien

►Artikel von Christian Rieder 

 

Es ist Basels legendäres, multikulturelles Strassenfest. Hier kommt echte Lebensfreude auf: Heisse Rhythmen, Caipirinhas, kulinarische Köstlichkeiten aus der ganzen Welt. Es ist nochmals richtig Sommer in Basel: Das Klosterbergfest steigt – jedes Jahr Ende August – drei Tage lang! Ein «normales» Strassenfest ist es aber nicht. Denn das ganze Konzept fusst auf der Idee, Geld für Strassenkinder in Brasilien, schwerpunktmässig für Rio de Janeiro, zu sammeln, damit diesen eine Ausbildung finanziert werden kann, damit die Kinder ein normales Leben voller Perspektiven führen können. Weit über 20'000 Menschen kamen durch die Spenden aus Basel in Genuss einer soliden Elementar- und Weiterbildung. Der erste Junge, der unterstütz wurde, ist heute Flugzeugkapitän! Vor diesem Hintergrund schmeckt der Caipirinha gleich nochmals so gut!

 
 

Das nächste Klosterbergfest findet vom 25. bis 27. August 2017 statt.

Detailinformationen finden Sie weiter unten!

 
 

Es war 1984, das erste Klosterbergfest – und somit das erste Mal, als der Reinerlös eben dieses Strassenfestes der Aktion «Kinder in Brasilien» zufloss, der ► Stiftung KIB. Und es sollte so bleiben. Die Idee, die Kinder in Brasilien zu unterstützen, ist aber älter, ja sie geht bis zum Februar 1974 zurück, als der Künstler Onorio Mansutti mit seinem Freund Dr. Otto Engel und dessen Frau Hilde bei einem Abendessen in Rio de Janeiros Stadtteil Ipanema den Plan schmiedeten, den Mittellosen der Stadt unter die Arme zu greifen.
  
Lassen wir Onorio Mansutti aber doch gleich selber sprechen: «Im Februar 1974 sass ich mit meinem Freund Dr. Otto Engel und seiner Frau Hilde bei einem gemütlichen Essen in der ‹Careta›, einer Churrascaria in Ipanema und assen einen Churrasco und tranken dazu Bier und natürlich auch Caipirinha. Nach ein paar dieser süffigen Cocktails begannen Otto und ich über die Schönheiten dieses wunderbaren Landes zu schwärmen. Die ‹Caipis› halfen dabei kräftig mit und liessen uns vollends in euphorische Träumereien versinken. Keine Stadt der Welt wird so stark von ihren Einwohnern geprägt wie eben Rio. Man muss dabei gar nicht etwa in die deprimierenden Favelas, die brasilianischen Slums, gehen. Überall in der Stadt stösst man auf die extremen Gegensätze. Viele Touristen sehen eben nur die lustigen Vorzeige-Schuhputzer und Parkwärter der Copacabana und meinen dann, dass sich ja jeder, wenn er nur will, eine kleine Existenz aufbauen kann. Nun, nach einigen weiteren Caipirinhas schlug meine Euphorie plötzlich in eine Art Hass gegen mich um. Ich fing an, mich über mich selbst zu ärgern. Kurzerhand machte ich Otto den Vorschlag, mein ganzes Geld an die Armen in den Favelas zu verteilen. Hilde, die Gott sei Dank nicht so viel getrunken hatte an diesem Abend, wusste geschickt zu verhindern, dass ich mein Vorhaben in diesem Zustand noch in die Tat umsetzte. Am nächsten Tag fragte sie mich, ob ich im Ernst gemeint hatte, den armen Leuten in Rio zu helfen. Ja, natürlich, sagte ich. Sie versprach mir, sich darüber Gedanken zu machen. Drei Wochen später erhielt ich einen Brief von ihr. Ich glaube, mit diesem Brief hat alles angefangen. Ich werde mich auch künftig dafür einsetzen, dass die Schnapsidee von damals und die Stiftung KIB von heute weiter erfolgreich bedürftigen Kindern in Brasilien zur Seite steht.»

 

Wer aber ist dieser Onorio Mansutti, der bis heute Schul-, Berufsbildungs- und Wohnprojekte in Brasilien unterstützt, über den die Philosophisch-Historische Fakultät der Universität Basel 2010 anlässlich der Verleihung des Ehrendoktortitels an ihn schrieb:  «Er schlägt […] eine kulturelle Brücke zwischen diesem Land und der Schweiz»?

 

Er ist Sohn italienischer Einwanderer, der Vater Maurer, die Mutter arbeitete in einer Schuhfabrik. Er selbst besuchte die Realschule und absolvierte später eine Lehre als Schriftsetzer bei Birkhäuser in Basel. Als gelernter Schriftsetzer arbeitete er dann genau zwei Wochen auf dem Beruf. Dann beschloss er, Fotograf zu werden. Der Basler Journalist ► Jürg Bürgi zeichnete 2004 ein Gespräch mit Onorio Mansutti auf, das diese die Zukunft prägende Wende bestens auf den Punkt bringt: «Jetzt will ich fotografieren. Im dritten oder vierten Lehrjahr hatte ich nämlich Carl László kennen gelernt. Der Kunstsammler und Kunsthändler eröffnete mir auf einen Schlag eine für mich ganz neue, unbekannte und faszinierende Welt. Bei ihm lernte ich Jean Cocteau kennen, Eugène Ionesco und Hans Arp. So kam ich in die Welt der Kunst und der Fotografie, die mich vollkommen gefangen nahm. Ich habe mir das Handwerk selbst angeeignet. Bis heute weiss ich nicht, was eine Brennweite ist! Von Anfang an war mein Ziel, Modefotograf zu werden – wegen der schönen Frauen, ganz klar. Ich sagte mir, da gibt’s nur eins: Konzessionslos voran, nicht noch einmal eine Lehre machen! Um meinen Traum zu verwirklichen habe ich mein Geld als Badmeister verdient, als Kellner, auf dem Bau. Auch im ‹Atlantis› habe ich ausgeholfen. Als der Besitzer mich einmal zurechtwies, habe ich ihm frech gesagt, er solle nur reden, es komme der Tag, an dem der Laden mir gehöre. Ja, mit 20 war ich ein arroganter Hund.»

 

Vielleicht war Mansutti arrogant. Aber Recht behalten sollte er trotzdem. Es kam die Zeit, als er zusammen mit Radiomann Christian Heeb die viel zitierte «Ära Mansutti» im legendären Atlantis einläutete. Es war die Ära, nach der «Ära Kurt Seiler». Ein grosses Stück Basler Kultur- und Beizen-Geschichte. Aber eben auch eine andere Geschichte.  Auch eine andere Geschichte ist jene, als Onorio Mansutti Beizer auf dem Birseckerhof und später auf den Gundeldingerhof war. Wir erzählen sie ein anderes Mal. Kommen wir zurück auf die Zeit, in der sich Mansutti zum international bejubelten Star-Modefotografen hocharbeitete, diesem Beruf, mit dem er sein Vermögen verdiente (und teilweise mit seinen Beizen auch wieder verlor). Es sei nochmals aus Jürg Bürgis Aufzeichnung zitiert:

 

«Meine Karriere als Modefotograf verdanke ich einem Zufall. Eine Redaktorin von ‹Harper’s Bazaar› sah Bilder von mir und fand, sie habe ein junges Talent entdeckt. Zu meinen ersten Förderern gehörte auch der Zeichner Walter Niggli. Meine Dunkelkammer war damals das Badezimmer. Das Fenster war mit schwarzem Papier verklebt, die Vergrösserungen habe ich in der Badewanne gewässert. Das Technische hatte mir mein Bruder beigebracht. Aber ich war froh, dass bald Steffi Zurkinden zu mir kam, der war als Fotograf ausgebildet. Seiner Mutter Irène hat es gefallen, dass es bei uns so bohemienhaft zuging und nicht so klinisch sauber war wie in Steffis Lehrbetrieb. Wir hatten lange Haare und machten jede verrückte Mode mit. Gemeinsam wurden wir Profis. Er zeigte mir, was er gelernt hatte, und ich brachte ihm meine selbst ausgedachten Tricks bei. Ich war zum Beispiel der Erste, der auf die Linse hauchte.

 

Als Modefotograf gehörte man in den späten Sechzigern zum Jetset. Da habe ich einmal in der Zürcher ‹Kronenhalle› im Suff einen Bentley gekauft, einen alten zwar, aber gleichwohl einen Bentley. Das ging dann so weiter in den Siebzigern. Ich spielte den Fotografen-Playboy und machte Bilder für ‹Harper’s Bazaar› und all die andern Zeitschriften, für ‹Vogue› und auch für das legendäre ‹twen›. Ich habe Twiggy fotografiert und Veruschka, auch Nina Balti – grossartige Models. So lernte ich auch die einheimischen Weltstars der Modefotografie kennen: Peter Knapp und Hans Feurer, die bald nach Paris auswanderten. Dafür fehlte mir der Mut. Ich hatte keinen Mumm wegzugehen und meine Kollegen zurück zu lassen. Trotzdem habe ich für Helena Rubinstein arbeiten dürfen. Man hat mich eingeflogen, wie man heute sagen würde. Aber richtig dazu gehört zum Pariser Kuchen habe ich nie.

 

Dann kam das Angebot, für das Versandhaus Spengler den Katalog zu fotografieren. Das war nun nicht derselbe Glamour wie in Paris, dafür brachte es richtig etwas ein. Nach einem anstrengenden Zwölfstunden-Tag hattest Du zwanzig Mille in der Kasse, einfach so. Das war reines Handwerk, Kreativität brauchte man nicht. Spengler profitierte von meinen Kontakten in Paris. Ich konnte ihm Models präsentieren, die er sonst nie gekriegt hätte, Grace Jones zum Beispiel oder Jessica Lange. Dann kam die Werbung und die Einnahmen machten noch einmal einen Sprung nach oben.»

 

Ja, und in diese Zeit fiel nun das legendäre Abendessen (mit den «Caipis») in Rio – und unmittelbar darauf begann auch die «Ära Mansutti» im Atlantis. Dass also das Klosterbergfest am Klosterberg stattfindet, dürfte nicht ganz zufällig sein, befindet sich doch auch das Atlantis eben da. Bis heute geblieben ist aber nicht nur das Klosterbergfest, sondern natürlich auch die jährliche Versteigerungen von Fotografien, Bildern und Events, zu welcher sich jährlich Basels Jetset zusammenfindet. Wo? Im Atlantis logischerweise, immer zum Jahresende. 1977 fand dieser Event zum ersten Mal statt. Er ist also deutlich älter als das beim Volk viel bekanntere Klosterbergfest. An der Versteigerung, deren Erlös – logisch – ebenso vollumfänglich den Kindern in Brasilien zu Gute kommt, bezahlte, das ist sicher ein lustige Geschichte, ein Gast vor ein paar Jahren 15’000 Franken für eine Sammlung des Männermagazins Playboy inklusive der Erstausgabe des Heftes. Ein anderer zahlte 13’000 Franken für ein Original-Bild von Jeannot Tinguely. Unmittelbar nach dem Kauf gab der Käufer das Bild dem eigentlichen Besitzer und Adressaten des Gemäldes Onorio Mansutti zurück. Oder da war die Galerie Beyeler, die ein Litho von Pablo Picasso im Wert von 26'000 Franken zum Versteigern schenkte. Ersteigern kann man sich aber auch Abendessen mit Prominenten, mit dem Basler Original «-minu» zum Beispiel. Onorio Mansuttis ungebrochenes Fundraising-Engagement ist mehr als bemerkenswert, sei es nun das Fest oder die Versteigerung, der ganze Erlös kommt direkt Armutsbetroffenen in Brasilien zugute. «Die Armut ist besonders brutal, wenn sie direkt mit dem Reichtum konfrontiert ist», erklärt Onorio Mansutti. Und: «Wir dürfen einfach nicht zuschauen, wie Kinder keine Schule besuchen, weil ihnen das Geld für den Bus oder die Gebühren fehlen. Sonst sehen wir sie eben, wie sie statt in der Schule auf der Strasse landen und Kaugummi oder sonst etwas verkaufen. Wir haben hier die Möglichkeit, etwas dagegen zu tun. Wir müssen nur helfen.» Und das kann man tun!

 

Wenn man also am Klosterbergfest auf einen ganz in Weiss gekleideten Herrn stösst, dann ist es – gut möglich – der Star-Modefotograf Onorio Mansutti. Ihm – sowie Hilde und Otto Engel selbstverständlich – verdanken wir das grossartige, multikulturelle Strassenfest am Klosterberg. Und über 20'000 Kinder in Brasilien verdanken diesen Menschen eine Aus- resp. Weiterbildung. Ohne die Besucherinnen und Besucher ginge das aber alles nicht! Also, hingehen, mitfeiern – und kräftig konsumieren! Das hilft! Übrigens: Hartnäckig hält sich das Gerücht, dass der Caipirinha, dieser köstliche Cocktail aus Cachaça, Limettensaft, Zucker und Eis, überhaupt erst durch das Klosterbergfest seinen Weg in die Schweiz gefunden habe. Na dann, prost! Sie trinken ja zu einem guten Zweck …! 

 
 
Bild zVg: Verein Klosterbergfest
Impression vom Klosterbergfest
 
 

Weitere Informationen

Literaturhinweise

 

Matti-Zünd, Evi; Lorenceau, René; Matti, René: See You Later, Alligator ...

Die Geschichte des Atlantis in Basel

Buchverlag Basler Zeitung, Basel; gebunden

 

Die Publikation ist leider nicht mehr erhältlich.

 

Stiftung KIB im Internet

 

Die Stiftung «Kinder in Brasilien» hat eine eigene, empfehlenswerte Website:

 

► Website Stiftung «Kinder in Brasilien» (direkter Link)

 
 
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