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Berri's Basler Dybli-Briefkasten

Basler Dybli-Briefkasten von Melchior Berri
Bild: Christian Rieder • © VISIT BASEL AG
 

Berri’s Basler Dybli-Briefkästen

►Artikel von Christian Rieder. 25. Februar 2011

 

Am 1. Juli 1845 wurden in Basel die so genannten «Berri-Briefkästen» in Betrieb genommen, zusammen mit der Ausgabe der weltberühmten Briefmarke «Basler Dybli» – eine der ersten und heute wertvollsten Briefmarken der Welt! Und die typischen blauen Briefkästen konnten sich halten, glanzvoll erfüllen sie noch immer ihre Funktion.

 
Auch bei uns sind die Briefkästen gelb, resp. wie es sich gehört, in den schwarz-gelben Postfarben gehalten. Schwarz-gelb waren die Wappenfarben der Familie Thurn und Taxis, das in den Hochadel aufgestiegene Adelsgeschlecht, welches seit 1748 in Regensburg ansässig ist und im 16. bis 18. Jahrhundert seinen Aufstieg und Reichtum als Postunternehmen erlangte. Und gerade deshalb kennen wir im gesamten deutschsprachigen Raum noch immer das typische «Postgelb», oder genauer gesagt Goldgelb in der Schweiz, Rapsgelb resp. Dahliengelb in Österreich und Ginstergelb in Deutschland. Alle Briefkästen sind gelb. Alle? Nein! Eine von unbeugsamen Baslern beherrschte Stadt hört nicht auf Widerstand zu leisten. Hier finden sich noch immer letzte blaue Briefkästen – mit markanter Brieftaube verziert ...!

 

Natürlich ist die Post ziemlich alt. Wie praktisch in ganz Mitteleuropa, können wir auch bei uns die ersten Postdienste im Mittelalter nachweisen. Für die damalige Zeit gar von einem Postsystem zu sprechen, ist dann aber doch etwas übertrieben. Man darf sich dabei kein geregeltes Postsystem vorstellen, sondern eher verschiedene Formen von Botendiensten. Erste Hinweise auf ein «geordnetes» Schweizer Postsystem finden sich Mitte des 17. Jahrhunderts. Und «geordnet» ist die eigentliche Idee der Post. Der Begriff stammt vom lateinischen «posita» ab, was nichts weniger als «festgelegt» bedeutet. Man muss aber wissen, dass die Post, wenn überhaupt, städtisch oder im Maximum kantonal geregelt war, also keineswegs eidgenössisch. Randbemerkung: Wussten Sie eigentlich, dass in der Schweiz erst 1964 Postleitzahlen eingeführt wurden. Ziemlich erstaunlich, nicht wahr? Noch erstaunlicher in diesem Zusammenhang ist, dass die Schweiz das dritte Land auf der Welt überhaupt war, das Postleitzahlen einführte, nach Deutschland und den USA. Alle anderen Länder der Welt kamen erst später auf diese ziemlich gute Idee.

 

Im Basel des 18. Jahrhunderts wurden die Postgeschäfte durch das Direktorium der Kaufmannschaft erledigt, einer Behörde, die von 1682 bis zum Untergang der alten Eidgenossenschaft im Jahre 1798 bestand und deren Funktion sich mit der heutigen Handelskammer vergleichen lässt. Das Direktorium der Kaufmannschaft hatte seinen Sitz im Gebäude des heutigen Stadthauses (Stadthausgasse 13), welches gleichzeitig als Postgebäude diente.

 

Es ist leicht nachzuvollziehen, dass die postalischen Verbindungen zwischen den einzelnen Schweizer Orten und das Postsystem im Laufe der Zeit stetige Verbesserungen erfuhren. Dies wurde aber mit dem Einmarsch französischer Truppen in die Schweiz am 5. Mai 1798 unterbrochen. In der neu errichteten Helvetischen Republik wurde das Postsystem nun von Frankreich übernommen und verwaltet. Die Einschränkungen der Souveränität der einzelnen Kantone in dieser Zeit zeigten sich durchaus förderlich für den Ausbau eines einheitlichen Postwesens. Die Postämter der grösseren Städte wurden mit Ovalstempel mit Insignien der neu errichteten Republik versorgt, die Poststempel und Tarife vereinheitlicht.

 

Mit dem Sturz Napoleons und dem Wiener Kongress 1815 wurde während der Restauration die alte Ordnung wiederhergestellt. Die zurück gewonnene, grosse kantonale Eigenständigkeit führte in der Folgezeit zu einer weitgehend unabhängigen Entwicklung des Postwesens der einzelnen Stände. Die bereits aufgebauten Beziehungen und Verbindungen blieben zwar bestehen, jedoch wurde kein zentral gesteuertes Postwesen eingerichtet.

 

Kommen wir zurück auf den Briefkasten. Ursprünglich gab es in Basel nur einen Briefkasten, und den fand man logischerweise beim Postamt, also beim heutigen Stadthaus. Im Zuge der Neuorganisation des Postverkehrs wollte man aber den Anschluss der Vorstädte ans Postnetz sicherstellen. Mit einem Kredit von 500 Franken wurden 1839 unter Postdirektor Johann Bernoulli erstmals sechs Briefkästen, die so genannte Quartierkästchen, eingerichtet, fünf in den Vorstädten und einer im Kleinbasel. Zu diesen «Quartierkästchen» muss man allerdings erwähnen, dass diese zu Beginn alles andere als beliebt waren. Es gab zwei Probleme: 1.: Für den Versand von Briefen kannte man damals noch keine Umschläge. Die Briefe waren gefaltet und versiegelt. Auch Briefmarken gab es noch nicht. In der Regel musste der Empfänger die Taxe bezahlen. 2.: Mit den 1839 eingerichteten «Quartierkästchen» gab es Schwierigkeiten mit der Wahrung des Postgeheimnisses. Man konnte den Arm in die Briefkästen stecken, was verständlicherweise ganz und gar nicht goutiert wurde. Es wurde also 1843 eine Kommission eingesetzt, die sich der Briefkastenfrage annehmen sollte. Zudem wurde, um den Benutzungsgrad der Briefkästen zu erhöhen, empfohlen, mit der Herausgabe von Briefmarken zu beginnen. Kurz zuvor waren bereits in Zürich (mit den so genannten Briefmarken «Zürich 4» und «Zürich 6») und in Genf (mit der so genannten «Doppelgenf») die ersten Briefmarken des Landes ausgegeben worden – und dies als weltweit erstes Land nach Vorreiter England, das 1840 zur Rationalisierung des Postwesens die so genannten «Penny black» und «Penny blue» herausgab. 

 

Mit der Gestaltung der neuen Briefkästen wurde der Basler Architekt des Klassizismus Melchior Berri beauftragt, der am 18. März 1844 seinen Entwurf vorgelegte, welcher bereits am 24. März vom Kleinen Rat genehmigt worden ist. Und dann war es schon bald soweit, die ersten blauen Briefkästen konnten gegossen werden. Der Auftrag wurde angeblich von der Königlichen Erzgiesserei in München ausgeführt, die unter der Leitung von Ferdinand von Miller stand, jenem von Miller also, der die bekannte Bavaria-Statue im Auftrag Königs Ludwigs I. umgesetzt hat. Am 27. Januar 1845 werden die wunderschönen Briefkästen ausgeliefert.

 

Damit war aber erst die eine Aufgabe gelöst. An die Zweite machte sich Berri sogleich, an die Gestaltung der Basler Briefmarke, für welche er das Taubenmotiv des Briefkastens übernahm. Am 29. Januar 1845 schickte er dem Frankfurter Drucker Benjamin Krebs die Reinzeichnung des «Basler Dybli» zur Ausführung. Somit konnte schliesslich mit der Inbetriebnahme der Briefkästen am 1. Juli 1845 gleichzeitig auch die erste Briefmarke – oder «Francozettelchen» bzw. «Stempeloblate», wie man damals sagte – in Umlauf gesetzt werden. Sie hatte einen Postwert von 2½ Rappen und war für Briefe bis zu 1 Lot (entspricht 15 Gramm) im Stadtgebiet von Basel bestimmt.

 

Was Melchior Berri aber geschaffen hat, ist nicht irgendeine Briefmarke! Die Gestaltung dieser Briefmarke erregte grosses Aufsehen – und sie tut es bis heute – und nicht nur, weil es sich dabei um die erste und einzige Briefmarkte handelt, die Basel je herausgegeben hat. Mit der Brieftaube wurde damals ein Motiv gewählt, das nicht den üblichen Abbildungen von Ziffern, Wappen oder Herrschern entsprach. Aber auch damit nicht genug! Das Besondere dieser Briefmarke liegt in der Farbe. Das Briefmarkenmotiv wurde in den drei Farben schwarz, blau und karmin hergestellt und ist somit die erste mehrfarbige Briefmarke der Welt! Die Herstellung erfolgte im Buchdruckverfahren. Die Taube wurde geprägt und steht daher aus dem Briefmarkenpapier etwas hervor. Die Herausgabe erfolgte «geschnitten», sie besitzt also keine Perforation und musste deshalb mit der Schere aus dem Bogen geschnitten werden. Heute weist Berris Briefmarke einen hohen, ja sehr hohen Sammlerwert auf, der sich aus der Seltenheit des «Basler Dyblis» und dessen weiten Bekanntheitsgrad zusammensetzt. Das «Basler Dybli» gehört zu den wertvollsten Briefmarken der Welt und wird auf Auktionen für gut und gerne 50'000 Franken gehandelt – oder sagen wir ab 50'000 Franken, ungebrauchte «Basler Dybli»-Paare können auch für locker 200'000 Franken den Besitzer wechseln.

 
Briefmarke «Basler Dybli»
 

Melchior Berri hat es zu einiger Berühmtheit gebracht, nicht nur seiner Briefkästen und dem «Basler Dybli» wegen. Berri ist am 20. Oktober 1801 als Sohn des Münchensteiner Pfarrers in Basel geboren. Er heiratet 1832 Margaretha Simone Burckhardt, die Schwester des noch berühmteren Humanisten und Kunsthistorikers Jacob Christoph Burckhardt (das ist der freundliche Herr auf der 1000-Franken-Banknote). Bis heute gilt Berri unbestritten als der bedeutendste Architekt des Klassizismus in der Schweiz. Seine Ausbildung zum Architekten genoss er in Karlsruhe, zunächst in der Handwerkerakademie, dann in der Bauschule bei Friedrich Weinbrenner. Daneben betätigte er sich als Steinmetz, Maurer und Gipser. 1822 erhielt der damals erst gut 20 Jahre alte Melchior Berri für seinen Entwurf eines Stadtcasinos in Basel den ersten Preis, die Umsetzung erfolgte dann ab 1824. Ab 1823 lebte er für zwei Jahre in Paris als Mitarbeiter im Atelier des Architekten Jean-Nicolas Huyot (dem Vollender des Arc de Triomphe) und studierte an der Ecole des Beaux-Arts. 1825 erreichte ihn in Paris der Auftrag für den Bau zweier grosser Wohnhäuser am St.-Alban-Graben in Basel. Nach einem achtmonatigen Aufenthalt zu Hause reiste er im August 1826 weiter nach Italien, wo er in Pompeji und Rom Bauwerke der Antike und der Renaissance aufzeichnete. 1828 dann eröffnete er in Basel ein Baugeschäft und eine Bau- und Zeichenschule. Berri war Mitglied des Stadtbauamts, des Baukollegiums, ab 1836 Grossrat und 1840 Präsident des  Schweizerischen Ingenieur- und Architektenvereins (SIA). Darüber kam er zu einer Ehrenmitgliedschaft der Architectural Society of London und des Royal Institute of British Architecture. Die Universität Basel verlieh Melchior Berri schliesslich 1849 die Ehrendoktorwürde.

 

Die Baslerinnen und Basler kennen Berri natürlich dem einzigen erhalten Monumentalbaus wegen, dem Naturhistorischen Museum auf dem Münsterhügel, das hier anstelle des Augustinerklosters errichtet wurde (der aufmerksame Betrachter achtet sich auf das siebenteiliges Relief and der Fassade – Melchior Berri könne hier als personifizierte Architektur entdeckt werden, rechts neben einer Pyramide stehend), so sagt man. Über die Werke Melchior Berris gäbe es noch viel zu schreiben! An dieser Stelle aber vielleicht einfach noch dies: Der geniale Basler wurde nur 52 Jahre alt. Von Schwermut erfasst nahm er sich am 12. Mai 1854 das Leben. Seine Bauwerke, die Briefkästen, die Briefmarken, ja vielleicht auch das Rheinschiff oder die Fasnachtsclique «Basler Dybli» halten die Erinnerung an einen der grossen Basler wach.

 

Spazieren die Baslerinnen und Basler an ihren sechs noch heute benutzten, blauen Briefkästen mit der markanten Brieftaube vorbei, ja dann wissen sie, dass sie nicht aufhören, Widerstand zu leisten. Alle Briefkästen sind gelb? Nein! Die Familie Thurn und Taxis wird’s uns verzeihen.

 
Basler «Briefträger»
 

Weitere Informationen

Literaturhinweise

 

Huber, Dorothee; Huggel, Doris: Melchior Berri 1801-1854
Architekt des Klassizismus

Schwabe; 2001; Gebunden; 283 S.


«Melchior Berri 1801-1854, Architekt des Klassizismus» ist erhältlich bei
 

► Buchhandlung Bider & Tanner
Online bestellen

 

Standorte

 

Die sechs heute noch benutzten «Berri-Briefkästen» finden Sie

 

  • am Spalentor,
  • an der Schneidergasse 6,
  • auf dem Münsterplatz resp. im oberen Teil des Münsterbergs,
  • in der St. Alban Vorstadt 49,
  • am Lindenberg 5 sowie
  • an der Baselstrasse 43 in Riehen

 

Lagepläne (Google)

  

Lagepläne Standorte Berri’s Basler Dybli-Briefkästen

 
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