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Die Basler Zeit

Sonnenuhr am Basler Münster
Bild: Mike Stoll • © VISIT BASEL AG
 

Die Basler Zeit

►Artikel von Mike Stoll. 18. März 2011

 

«Basel tickt anders!» Dieser Slogan des Basler Stadtmarketings mag nicht nur an der Basler Fasnacht seine Gültigkeit haben, zielt er doch unmittelbar auf Basels Selbstverständnis als Kultur-, Bildungs- und Wirtschaftstadt, das hier am Dreiländereck zwischen der Schweiz, Deutschland und Frankreich in der Tat speziell – oder eben «anders» – geartet ist als sonstwo. Dass wir aber in dieser Stadt bis ins Jahr 1798 tatsächlich anders tickten, ist nicht Selbstverständnis, sondern historischer Fakt!

 

Während vier Jahrhunderten hatte die Stadt Basel eine eigene Zeit, die sogenannte «Basler Zeit». Diese unterschied sich von den Uhrzeiten der umliegenden Länder durch den Umstand, dass sie stets um eine Stunde vorlief. Um Mittag also, zur Zeit des höchsten Sonnenstandes, schlug die Uhr in Basel nicht zwölf, sondern eins. Diese, vor allem für Reisende gewöhnungsbedürftige Eigenheit trug den Baslern dann auch so manch‘ bösen Spott ein: «Die Basler sind gut hundert Jahre zurück und doch eine Stunde voraus!»

 

Mit Ausrufung der Helvetischen Republik 1798 endete in der Stadt nicht nur das Ancien Régime, sondern auch die Basler Zeit; sie wurde kurzerhand an die wahre Ortszeit angeglichen. Allerdings geschah dies mit Rücksicht auf die Bewohner nicht auf einen Schlag. Die lokalen Uhren wurden in den letzten Januartagen dieses wechselvollen Jahres täglich um zehn Minuten zurückgestellt. Seit dem 1. Februar 1798 tickten dann auch die Basler Uhren im Takt der astronomischen Zeit Mitteleuropas. Lediglich die Sonnenuhr am Martinsturm des Basler Münsters zeigt noch heute beim höchsten Sonnenstand unter dem senkrechten Strich nicht wie üblich die Ziffer zwölf, sondern eben altbaslerisch die Eins.

 

Der Ursprung dieser abweichenden Lokalzeit liegt vermutlich in der Tatsache begründet, dass in Basel ums Jahr 1380 die erste Schlaguhr (i.e. eine Turmuhr, welche die einzelnen Stunden mit entsprechenden Glockenschlägen anzeigt) in Betrieb genommen wurde. Statt nun aber wie allgemein üblich den Tag damit in zweimal 12 Stunden (12 Lichtstunden und 12 Nachtstunden) einzuteilen, verblieben die Basler beim mittelalterlichen Brauch der Horenzählung (Gebetsstunden). D.h. sie zählten den Mittag respektive Mitternacht nicht als zwölfte abgelaufene Stunde, sondern eben als erste anbrechende Stunde.

 

Da mit der alten Basler Zeit aber langsam auch das Wissen um den wahren Ursprung dieser einzigartigen Uhrzeit verlorenging, behalf man sich in neuerer Zeit, diesen besonderen Umstand mit einer sagenhaften Erzählung zu erklären:

 

Obwohl Basel lange Zeit reich und mächtig war, war es nicht gefeit, durch äussere Feindseligkeiten immer wieder in arge Bedrängnis zu geraten. Vielleicht war es ja gerade dieser Reichtum, den die Basler über Jahrhunderte angehäuft hatten, der den unheilvollen Neid ihrer Nachbarn auf sich zog. So geschah es eines Tages, dass die Stadt und ihre Bewohner von einem besonders hartnäckigen Gegner eingeschlossen wurden. Auf’s äusserste bedrängt versuchte man über Tage dieser entbehrungsreichen Belagerung standzuhalten.

 

Doch je länger dieser drückende Kriegszustand andauerte, desto grösser wurde der Unmut der Bevölkerung. Sämtliche Handelsgeschäfte mit dem Ausland mussten wegen des Krieges ruhen, und man befürchtete deshalb grosse Einbussen. So kam es, dass trotz des eigentlichen Wohlstandes sich unzufriedene Bürger der Stadt zusammenrotteten, um mit dem Feind gemeinsame Sache zu machen. Im Geheimen verabredeten sie mit den Belagerern, punkt zwölf Uhr Mitternacht gemeinsam loszuschlagen. Man wollte die mächtigen Stadttore öffnen und so die vermeintlichen Befreier einlassen.

 

Durch Zufall entdeckte ein einfacher Turmwächter die geheimen Machenschaften dieser Verschwörer und beschloss ein paar Minuten vor Mitternacht, ihnen diesen Handstreich gründlich zu verderben. Zeit, um gross Alarm zu schlagen, hatte er vorab keine und so rannte er, wie wenn der Leibhaftige höchst selbst hinter ihm her wäre, von Turmuhr zu Turmuhr, um diese von «kurz vor zwölf» auf «kurz vor eins» umstellen. Da die Turmuhren der Stadt nun alle direkt «ein Uhr» in der Nacht schlugen, und es somit nie «zwölf Uhr» Mitternacht geschlagen hat, glaubten die Verräter im Innern wie die Belagerer draussen, sie hätten verschlafen. Da keiner der verdutzten Verschwörer mehr wusste, was nun eigentlich zu tun war, nutze unser Turmwächter die Zeit, um den Rat über die drohende Gefahr zu alarmieren. Dieser liess dann auch sogleich die Mauern, Türme und Tore besetzten, um Basel siegreich zu verteidigen.

 

Leider wissen wir nicht, ob der pfiffige Turmwächter für seine Tat von der Obrigkeit belohnt wurde. Unter vorgehaltener Hand munkelt man jedenfalls noch heute, dass es die Basler wohl reute, diesem mutigen Mann für ihre denkwürdige Errettung mit Geld zu danken, und so hätten sie kurzerhand ihm zu Ehren die Uhren der Stadt so weiterlaufen lassen. Gut baslerisch eben …!

 

Weitere Informationen

Die Sonnenuhr am Basler Münster

 

Sie wollen die alte Basler Zeit entdecken, kein Problem: Sie finden angezeigt am Basler Münster.

 

Details zum Basler Münster
  
Literaturhinweise

 

Gerber, Kurt: Basler Sagen
Reinhardt F.; 2006; Gebunden; 191 S.
 
Die «Basler Sagen» sind erhältlich bei
 
► Buchhandlung Bider & Tanner
Online bestellen
 
Messerli, Jakob: Gleichmässig – pünktlich – schnell
Zeiteinteilung und Zeitgebrauch in der Schweiz im 19. Jahrhundert
Chronos; 1995; Gebunden; 296 S.
 
«Gleichmässig – pünktlich – schnell» ist erhältlich bei
 
► Buchhandlung Bider & Tanner
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