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Die Gemse war’s ...

Die Gemse auf dem Gemsbergbrunnen gleich beim historischen Gasthaus Löwenzorn
Bild: Christian Rieder • © VISIT BASEL AG
 

Die Gemse war’s, sie riss die Mauer nieder!

►Artikel von Mike Stoll. 24. Mai 2013

 

Noch heute steht sie edel, stolz und still, den Kopf leicht zur Seite abgewendet auf ihrem Sockel. Die Gemse auf ihrem Brunnenstock, ein scheues Tier der Berge mitten in der Basler Altstadt, meidet gern den Blickkontakt. Der kundige Bewohner dieses Berges aber weiss, welch‘ düsteres Vermächtnis uns der Brunnen brachte, den sie nun hütet.
 
Einstmals, schon vor langer Zeit stand hier ein Brunnen, zum «Dürren Sod» genannt, am Gemsberg oben. Noch heute kündet eine Liegenschaft von diesem Titel, die in Erinnerung daneben seinen Namen trägt. Grund für diese sonderbare Benennung war, dass zu gewissen Zeiten stets nur spärlich Wasser floss in diesem Sod – besonders schmerzhaft dann im Sommer, wenn hier Mensch und dürstend Vieh schwitzend standen. Dieser ursprüngliche Sodbrunnen wurde alsbald im Jahre 1318 aufgegeben, da sein Dasein so für die Bewohner von zweifelhaftem Nutzen war. Doch schon 1360 faste man hier neuen Mut und schloss den alten Quell ans Spalenbrunnwerk an, welches von der Vorstadt kommend den Spalenberg runter und den Heuberg hoch sein Wasser sprudelnd fliessen liess. Hierbei erneuerte man auch sein Kleid: In einem rechteckigen Trog aus Holz fing er das kühle Nass, welches aus einem Rohr im sechseckigen Stock hernieder schoss.
 
Ganz im Geist der Zeit erhielt er anno 1794 einen hohen Obelisken als edle Zier. Ruhend war dies ägyptisierend‘ Element auf 4 Kugeln rund und oben an seiner Spitze krönend versehen mit einem weiteren, sonnengleichen Ball. Doch nicht für lang‘ stand er hier mit zwei Röhren Wasser spendend an alle, die sich mit trockener Kehle labend an ihn wandten. Der Zahn der Zeit nagte sich durch den Stein, bis er zerfiel langsam und doch stetig. Und so beschloss man den ganzen Brunnen abzubrechen und ein weiteres Mal zu ersetzen. So bestellte man bei Urs Bargetzi (1794–1865), einem wackeren Steinhauer in Solothurn, einen neuen Brunnen. Kühn geschlagen im Kalksteinbruch zu Weissenstein nahm Gestalt an unter kundiger Hand der Trog, ein wahrer Monolith gehauen ward aus einem Stück. Mit 24 Pferden und einem grossen Wagen schaffte man diesen steinernen Koloss über die Jurakette mit viel Müh, Schweiss und gewiss Gefluche bis vor Basels äusseren Mauerring. Als Beweis steht dies schwer geprüft‘ Gefährt noch heute auf dem Firmengelände der Bargetzi Naturstein GmbH und kündet von den kühnen Taten der vormaligen Betreiber.
 
Doch als der schwere Block hier endlich angekommen, waren der Basler Augen grösser als das Tor, wodurch der bestellte Block bei Lieferung alsdann sollte, aber nicht gelangen konnte. Schildbürgern gleich vergassen die stolzen Bürger bei Bestellung die gewünschten Masse mit dem Aeschentor abzugleichen. Guter Rat war nun teuer in der Stadt am Rhein! Kurz nur stand die Idee vor dem Tore, zu zerschneiden diesen grossen Trog in mehrere Teile und die einzelnen Stücke dann an ihren Platz zu schaffen. Doch reute es den Basler Bürger insgesamt, zu teilen diese monumentale Kalksteinwanne. Man beschloss, dies bei folgenden Bestellungen von Herzen zu beachten, doch dieses Stück sollte als Ganzes in die Stadt, seinen Weg durch die engen Gassen finden, zu seinem finalen Standort hin. Dem Allmächtigen sei’s gedankt, besann man sich in dieser selbstverschuldeten Not einem Paragraphen (§4) des neuen Gesetzes, welches der Grosse Rat kurz davor zur Erweiterung der eng gewordenen Stadt am 27. Juni 1859 erlassen hatte:
 
«Zur Herstellung angemessener Verbindungen … ist der kleine Rat [die Regierung] ermächtigt, da, wo es das Bedürfnis erheischt … die Stadtgräben … auszufüllen und neue Stadteingänge herzustellen, auch die bisherigen Stadtmauern nebst daran liegenden Schanzen ganz oder teilweise zu beseitigen.» aus Andreas Fischer‘s «Mauern, Schanzen, Tore»; Basel 2007
 
Und so rissen die Basler in Ermangelung weiterer Möglichkeiten kurzerhand ihre schützende Stadtmauer ein, gleich beim Aeschentor, wo dieses Monstrum von Brunnen noch immer seiner Weiterfahrt harrte. Es ist somit und nicht ohne Verwunderung festzuhalten, dass weder Krieg noch Beben es vermochten, die Mauern unserer Stadt zu gefährden – nein, ein kolossaler Brunnen war’s, den sich die Basler einst bestellten, und den heute eben eine Gemse ziert. Denn als die erste Bresche mal geschlagen war in den Wall, so fielen kurz darauf die Mauerzinnen aller Orten ringsumher, und das stolze Verteidigungswerk ward löchrig wie ein Käse! Doch, und dies muss lobend ich erwähnen, die Basler bekamen ihren Willen resp. zu einem neuen, stattlichen Brunnen. Via Vorstadt, Steinen- und dann Kohlenberg und durch den Leonhardsgraben brachten sie schlussendlich dieses Ungetüm zum Oberen Spalenberg und von dort durch den Heuberg an seine jetzige Ruhestätte. Dort steht er nun als Zeichen der Moderne mit einem Sudeltrog und zwei seitlich eingebauten Scheuersteinen für die fleissige Basler Wäscherin. Auch die mahnende Gemse, welche ganz oben auf dem Stock beinahe wie ein Siegeszeichen steht, verkörpert den Hauch der nahen Zukunft. Nach einem Gipsmodel von Rudolf Heinrich Meili aus Binningen ganz in Eisenguss gefertigt entsprach sie dem technischen Fortschritt und so der aufbruchsfrohen Stimmung der damaligen Zeit.
 
Allerdings muss man zuletzt noch sagen, dass der Berg und eigentlich auch der Brunnen, ihren Namen nicht der Gemse schulden, welche man gepflanzt auf des Troges Stock. Das gehörnte Alpentier fand hierher über einen Häusernamen. Oben bei St. Leonhard steht noch heut‘ die Wohnstatt, welche diesem Berg den Namen gab und zum Guss des besagten Tieres inspirierte. Wie der Namen dann zum Haus gekommen, das weiss dann niemand mehr genau! Ob durch edlen Namen des Geschlechts, welches hier einst wohnte, oder deren  Wappen Sinn, das schützend die linke Hand des heimisch‘ Kempen wappnete, wer weiss! Die bescheidenen Basler sind damit zufrieden, auch wenn’s heut‘ nicht mehr Gems, sondern «Gämse» heisst.

 

Lageplan (Google)

 
 

Weitere Informationen

Literaturhinweise

 

Burger, Arthur: Brunnengeschichte der Stadt Basel
Verkehrsverein Basel; 1970; Gebunden
 
Die Publikation ist leider nicht mehr erhältlich.


Fischer, Andreas: Mauern, Schanzen, Tore
Basels Befestigungen im Wandel der Zeit
Christoph Merian; 2007; kartoniert
 
«Mauern, Schanzen, Tore» ist erhältlich bei
 

► Buchhandlung Bider & Tanner
Online bestellen 

 
Fürstenberger, Markus: Basler Brunnen
Charelle Verlag Hergiswil; 1994; gebunden
 
Die «Basler Brunnen» ist erhältlich bei 
 

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Trachsler, Beat: Basler Brunnen aus alter und neuer Zeit, Bd. 1
GS-Verlag, Basel; 1998; gebunden
 
Die «Basler Brunnen aus alter und neuer Zeit» ist erhältlich bei 
 

► Buchhandlung Bider & Tanner
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