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Isaak Iselin: Ein Revolutionär mit Herz

Isaak Iselin
Bild: Wikimedia Foundation
 

Isaak Iselin: Ein Revolutionär mit Herz

►Artikel von Mike Stoll. 13. Juli 2012

 

Auch in Basel gab es immer wieder Männer und Frauen, die in der Geschichte unserer Stadt herausragen, weil sie den ungeschriebenen Gesetzen, gängigen Konventionen oder strengen Sitten ihrer Zeit nicht einfach Folge leisteten, sondern ihr ganzes Dasein dafür einsetzen, Missstände in Politik und Gesellschaft zu beheben. Isaak Iselin war gewiss einer davon. Ihm sei dieser Artikel gewidmet.

 

Spätestens im Geschichtsunterricht der Mittelschule wird klar, dass sich auch die beschauliche Eidgenossenschaft mit ihrem konservativen Wertesystem den aufklärerischen Gedanken am Vorabend der Französischen Revolution nicht zu entziehen vermochte. Ideen wie Gleichheit, Freiheit und Brüderlichkeit hielten auch hier zu Lande Einzug und begannen das Selbstbewusstsein der einzelnen Gesellschaftsschichten zu verändern. Nicht, dass man sich in Basel allzu sehr beeilte, dieser neuen Geisteswelt Tür und Tor zu öffnen – nein, ganz im Gegenteil! Die «gnädigen Herren» des Ancien Régime hielten die Zügel fest in ihrer Hand, bestimmten die politischen Geschicke unserer Stadt nach ihrem Gutdünken und dachten nicht in Traum daran, hier auch nur das Geringste zu ändern. Es scheint, als eiferten nicht nur die Machthaber Europas dem strahlenden Beispiel des französischen Sonnenkönig Louis XIV. nach, auch die angesehenen Familien des Basler Daigs (vgl. hierzu mein Artikel zum ► Basler Daig) orientierten sich an seinem absoluten Regierungsstil und nahmen gierig alles auf, was vom westlichen Nachbar so über die Stadtmauern schwappte. Der prächtige Hof von Versailles war dieser Tage das leuchtende Vorbild französischer Lebensart, welche Architektur und Mode in ganz Europa diktierte. Ja selbst in unsere Sprache hielt das Französische Einzug, galt es doch noch lange als «chic» in den gehobenen Kreisen französisch zu «parlieren» und bei Regen nach dem «Parapluie» zu verlangen. Doch mit der eleganten «lingua franca» fand nicht nur höfische Etikette nach Basel, sondern eben auch gesellschaftskritisches Gedankengut. Die aufklärerischen Schriften von Montesquieu (1689–1755), Voltaire (1694–1778), Rousseau (1712–1778) und Diderot (1713–1784) erhitzten die Gemüter all derer, die in der Regel zu den unteren Schichten gehörten und deshalb nicht direkt an den «Segnungen» des Ancien Régime teilhaben konnten. Die fortschreitende Entfremdung zwischen Regierenden und den Regierten führte dazu, dass sich selbst in der Oberschicht Anhänger der Aufklärung fanden.
 
Einer davon war Isaak Iselin (1728–1782). Noch heute ehrt im verborgenen Schmiedenhof ein ehernes Standbild diesen grossen Sohn der Stadt. Nicht Kriegstaten oder politische Händel mehren seinen Ruhm, sondern die Liebe und das Verständnis, das er seinen Mitmenschen entgegenbrachte. Der kleine Isaak durchlebte eine wohl behütete Kindheit, obwohl sein Vater die Familie früh verliess. Grund hierfür war ein Verhältnis mit einer anderen Frau. Selbst nach der Hochzeit und der Geburt seines Sohnes war er nicht gewillt, diese Verbindung aufzugeben. So liess sich Isaaks Mutter, Anna Maria Burckhardt (1711–1769), kurzerhand von ihm scheiden. Sie war damals gerade mal 18 Jahre alt. Ein mutiger Schritt für eine Frau in dieser Zeit! Auch wenn sie aus gutem Hause stammte und sich keine finanziellen Sorgen zu machen brauchte, war das Gerede in den Gassen und vornehmen Salons gewiss unerträglich. Trotz dieses Makels wuchs Isaak unter der fördernden Obhut seiner Mutter und der starken Hand ihres Bruders – von Isaak gern «Oncle Oberst» genannt – zu einem stattlichen jungen Mann heran. Schenkt man der Biografie aus der Feder von Ulrich Im Hof Glauben, so stand der gebildete Jüngling auch bei den schönen Töchter der Stadt hoch im Kurs:
 
«Die Jumpfer Thelluson wurde rasch durch die kleine Eglinger verdrängt, diese durch die Müller aus der St. Johann-Vorstadt, welche ihrerseits einer Jumpfer Zäslin aus der Aeschen-Vorstadt zu weichen hatte, und dann folgten sich eine Euler, eine Winkelblech, eine Ryhiner und eine Burckhardt.» aus: Isaak Iselin 1728–1782, 138. Neujahrsblatt der GGG, Basel 1960


1742 begann Isaak Iselin in Basel das Studium der Philosophie, welches er bereits nach wenigen Jahren als «magister artium» abschloss. Es folgt das Studium der Rechtswissenschaften und ein Auslandaufenthalt in Göttingen und Paris, bevor er wiederum in Basel 1751 seinen «doctor iuris utriusque» macht. Obwohl er seine Studien ohne jeden Tadel abschloss, bleibt ihm eine akademische Laufbahn versagt. In dieser Zeit beginnt er zu schreiben und verdient sich mit seinem 1755 erschienenen Werk «Philosophische und patriotische Träume eines Menschenfreundes» den Respekt seiner intellektuellen Zeitgenossen. Es folgen seine «Philosophische Muthmassungen über die Geschichte der Menschheit» 1764 und die Herausgabe der Zeitschrift «Ephemeriden der Menschheit», welche ihn auch einem breiteren Publikum bekannt machten.
 
1756 wird Isaak Iselin zum Ratsschreiber berufen. Ein pikantes Detail dieser Wahl: Mit dem Amt des Schreibers erhielt er auch die Hand von Helene Forcart. Der Grund für diese aussergewöhnliche Verbindung war ein «Gentleman’s Agreement» zwischen Iselin und seinem künftigen Schwiegervater: Um Ämterkauf und Vetternwirtschaft vorzubeugen, pflegte der Rat diese gutbezahlte Stellung allein durch das Los zu vergeben. Aus einem kleinen Kreis von geeigneten Bewerbern sollte einzig der Zufall den geeigneten Kandidaten wählen. Vater Forcarts Vorschlag war nun, Isaak Iselin in diese engere Auswahl zu bringen. Im Gegenszug musste er versprechen, im Falle seiner tatsächlichen Wahl seine Tochter Helene zu ehelichen. Obwohl diese Tochter eine attraktive junge Dame war und gewiss für so manchen Basler eine gute Partie, zerrissen sich die braven Leute das Maul über das arme Mädchen. Die schöne Helene hatte es gewagt, ihr vormaliges Verlöbnis aufzulösen und den einstigen Bräutigam in spe wegen seines unflätigen Benehmens ins Pfefferland zu wünschen. Die Wahrscheinlichkeit, auf dem überschaubaren Heiratsmarkt der Stadt doch noch einen wackeren Ehemann zu angeln, tendierte deshalb zum grossen Kummer ihres Vaters gegen Null. 
 
Man muss nun aber festhalten, dass diese Ehe trotz des Händels im Vorfeld eine äusserst glückliche Verbindung war, aus der dem jungen Ratsschreiber und seiner Gemahlin zwei Knaben und sieben Mädchen entsprossen. Obwohl Isaak von seinem neuen Amt voll und ganz in Beschlag genommen wurde, nahm er sich stets die Zeit, sich der Erziehung seiner Kinder persönlich zu widmen. Besonders die Bildung seiner Töchter lag ihm am Herzen, was zu dieser Zeit gewiss die Ausnahme darstellte. Zielte doch die damalige Erziehung von Mädchen allein darauf ab, gute Ehe- und fleissige Hausfrauen abzugeben. 
 
Nicht nur in der Erziehung seiner Kinder oder seinen aufklärerischen Schriften zeigte sich Iselins fortschrittliche Gesinnung. Er war zudem auch Gründungsmitglied der 1761 ins Leben gerufenen «Helvetischen Gesellschaft». Ziel dieser patriotischen Vereinigung war es, den tiefen Graben zu überbrücken, welchen die Reformation in der Schweiz aufgerissen hatte. Ein gesunder Patriotismus sollte hierbei helfen, diese Kluft zwischen den Konfessionen zu schliessen und so auch in der Gegenwart «ein einig Volk von Brüdern» zu werden.
 
Doch der wohl grösste Verdienst gebührt Isaak Iselin für die Gründung der «Gesellschaft zur Aufmunterung und Beförderung des Guten und Gemeinnützigen» im Jahre 1777 – kurz «GGG» genannt. Sie fragen warum? Es war einer jener seltenen Momente der Weltgeschichte, als sich der Wille, seinen Mitmenschen zu helfen und ihnen in ihrer Not beizustehen, nicht nur auf edlem Papier kundtat, sondern auch in Tat und Wahrheit all denen Hand geboten wurde, denen es nicht so gut ging. Jedes Mitglied dieser Vereinigung zahlte ursprünglich hierzu einen Jahresbeitrag von zwei neuen französischen Talern (ca. CHF 10.00). Mit diesem Geld gründete man eine Suppenanstalt, wo man die Armen der Stadt den Winter über mit einer warmen Mahlzeit versorgen konnte. Ebenso kümmerten sich die «Freunde des Guten und Gemeinnützigen» um die vielen Kinder der Unterschicht, welche von ihren Eltern notgedrungen in die neuen Fabriken geschickt wurden, um mit ihrer Hände Werk das Auskommen der Familien aufzubessern. Da es noch keine allgemeine Schulpflicht gab, konnten die meisten Mädchen und Knaben damals weder lesen noch schreiben. Auch diesem Missstand schuf die Gemeinnützige Gesellschaft Abhilfe, indem sie die arbeitenden Kinder während ein paar Stunden in der Woche unterrichtete. Diese einfache Fabrikschule war für viele jungen Baslerinnen und Basler die einzige Möglichkeit, überhaupt zur Schule zu gehen. Zwar wurde die allgemeine Schulpflicht 1838 eingeführt, doch gab es nach wie vor zahlreiche Betätigungsfelder für diese philanthropische Gesellschaft. So gehen auch das Blindenheim, die städtische Bibliotheken, die allgemeine Gewerbeschule (ehemals Zeichnungs- und Modellierschule), das Mädchengymnasium (ehemals Töchterschule), die Berufs- und Frauenfachschule (ehemals Frauenarbeitsschule) und die Musik-Akademie (ehemals Musikschule) auf den unermüdlichen Einsatz dieser Menschenfreunde zurück.
 
Eine jener Maximen, die Isaak Iselin Zeit seines Lebens prägte, war «ein Mensch könne nur glücklich werden, wenn er anderen Menschen helfen könne.»
 
Neben Johann Heinrich Pestalozzi (1746–1827), mit dem er übrigens Zeit seines Lebens regen Kontakt und Austausch pflegte, gilt er deshalb wohl zu Recht als grösster Förderer der Menschlichkeit in unserem Land – als stiller Revolutionär mit Herz.

 

Literaturhinweise

 

Basler Heimatgeschichte - Heimatgeschichtliches Lesebuch von Basel
Erziehungsdepartement des Kantons Basel-Stadt, Basel; Gebunden 

 

Die Publikation ist leider nicht mehr erhältlich.
 

Berner, Hans / Sieber-Lehmann, Claudius / Wichers, Hermann:
Kleine Geschichte der Stadt Basel
DRW; 2008; Gebunden 
 
Die «Kleine Geschichte der Stadt Basel» ist erhältlich bei

 

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Habicht, Peter: Basel - Mittendrin am Rande
Eine Stadtgeschichte
Merian; 2008; Kartoniert, Paperback

 
«Basel - Mittendrin am Rande» ist erhältlich bei
 
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